Kommentar

Tragischer Retter

Ernst August Ginten über Mehdorns Rückzug

Hartmut Mehdorn hat es nicht geschafft, Air Berlin auf Gewinnkurs zu bringen. Sein großer Traum, als Retter der Fluggesellschaft in die Geschichte der deutschen Luftfahrt einzugehen, ist damit zerplatzt. Und das ist tragisch, denn der viel gescholtene ehemalige Bahnchef hat das Management bei Deutschlands zweitgrößter Airline wider Erwarten auf einen respektablen Sanierungskurs gebracht.

Dass es trotzdem nicht gereicht hat, ist zu einem großen Teil auch die Schuld unfähiger und arroganter Politiker. Die erneute Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER ist eine Katastrophe für die Air Berlin, weil sie sich als Hauptkunde von BER steigende Umsätze und Erträge aus dem Umsteigergeschäft erhofft hat. Dazu kommt die Verlängerung der Luftverkehrsabgabe, die ohnehin seit 2011 den Gewinn der Air Berlin schmälert. Aber dieses Problem haben alle anderen Fluggesellschaften in Deutschland auch.

Ist Air Berlin also überhaupt zu retten? Darüber gehen die Meinungen in der Branche auseinander. Das Geld wird nach Teilverkauf des Kundenbindungsprogramms „Top-Bonus“ an den Großinvestor Etihad noch einige Monate reichen. Angesichts der dramatischen Veränderungen in der Weltluftfahrt wird Prock-Schauer jetzt aber zügig entscheiden müssen, was für eine Art Airline Air Berlin künftig sein soll.

Eine realistische Chance haben die Berliner wohl nur, wenn sie sich jetzt auf ihre lukrativen Strecken in Deutschland konzentrieren und aus dem Geschäft mit den Pauschaltouristen ganz aussteigen. Zudem besteht Etihad darauf, dass Air Berlin Fluggäste mit Zielen in Asien oder Australien nach Abu Dhabi fliegt und diese dort in die Maschinen der arabischen Airline umsteigen. Da die Berliner angesichts ihrer hohen Schulden frisches Geld derzeit nur gegen immens hohe Zinsen am Kapitalmarkt bekommen, haben sie also gar keine andere Wahl, als die Wünsche des auf Wachstum fixierten Großaktionärs zu erfüllen. Es ist ihre letzte Chance.