Contra

Eingriff in Eigentumsrechte

Felix Müller geht der Bezirk mit den neuen Regeln zu weit

Das Phänomen der Gentrifizierung hat große Teile der Stadt erfasst, aber nirgends ist es so gut sichtbar wie in Prenzlauer Berg. Ob man es an der Verjüngung der Bevölkerung in den Jahrzehnten seit dem Fall der Mauer misst, am Anstieg der Mieten, an der Veränderung des Wahlverhaltens oder am Zustand der Häuser und der städtischen Infrastruktur: Dramatische Veränderungen sind im Gang. Und wo es diese gibt, gibt es immer auch Angst – vor einem unzumutbaren Anstieg der Mieten und vor der Vertreibung der alteingesessenen Bevölkerung. In der Ideologie des „Milieuschutzes“ findet diese Angst ihr Heilsversprechen: Möglichst viel soll so bleiben, wie es ist. Das irrationale Fundament dieser Haltung ist so mächtig, dass eine Frage oft nicht mehr gestellt wird: Was genau ist schützenswert? Die Abwesenheit von Wärmedämmung, Fußbodenheizungen und Kaminen? Ist der Status quo wirklich ein Wert an sich? Und noch etwas grundsätzlicher gefragt: Steht es dem Bezirk überhaupt zu, so umfassend in die Eigentumsrechte seiner Bewohner einzugreifen, ihnen sogar die Gestaltung ihrer Badezimmer zu diktieren? Wer sollte noch nach Eigentum streben bei solchen Hürden? Es steckt sicher guter Wille hinter den neuen Regeln, viel eifriges Bemühen, aus Prenzlauer Berg kein zweites München-Schwabing werden zu lassen. Aber so ist es oft mit dem guten Willen: Er ist sich seiner selbst so gewiss, dass er umschlägt in Bevormundung und nicht mehr weiß, wann er zu weit gegangen ist.