Interview

„Nicht nur auf die Rendite schauen“

Für André Schmitz ist Suhrkamp nicht nur ein Verlag, sondern ein hohes deutsches Kulturgut

Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hat sich vor einigen Jahren persönlich darum gekümmert, dass der Suhrkamp Verlag, der in Berlin gegründet wurde, von Frankfurt am Main in die Hauptstadt zurückgekehrt ist. Über die aktuelle Situation nach dem überraschenden Gerichtsurteil, bei dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach erreicht hatte, dass Verlagsgeschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz abberufen wird, und die Aufgaben der Politik sprach Stefan Kirschner mit André Schmitz.

Berliner Morgenpost:

Herr Schmitz, die Auseinandersetzungen bei diesem renommierten Verlag erinnern ein bisschen an „Dallas“. Passt das zur gern beschworenen Suhrkamp-Kultur?

André Schmitz:

Suhrkamp hat Kultur, deshalb bedauern wir alle die Rechtsstreitigkeiten, die es da gibt. Wir in Berlin sind ja glücklich, dass der Suhrkamp Verlag zurückgekommen ist. Und wie man so hört, haben die letzten drei Jahre dem Verlag in Berlin gutgetan – nicht nur inhaltlich, sondern auch wirtschaftlich. Deshalb sind die Auseinandersetzungen umso ärgerlicher.

Sorgen Sie sich um den Verlag?

Ich habe großes Vertrauen in die Geschäftsleitung. Außerdem bin ich ein optimistischer Mensch und setze auf den guten Willen aller Beteiligten. Suhrkamp ist nicht nur ein Verlag, sondern auch ein hohes deutsches Kulturgut. Da können nicht nur merkantile Interessen im Vordergrund stehen. Es gehört zum Image und zur Aura des Suhrkamp Verlages, dass es nicht immer nur ums Geld geht, sondern auch um kulturelle Werte. Die gilt es zu bewahren. Ich appelliere deshalb an Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, nicht nur auf die Rendite zu schauen. Natürlich muss ein Unternehmen profitabel sein, aber gerade der Suhrkamp Verlag, der immer viel Wert auf sein Programm gelegt hat, ist eine sensible Institution, etwas zwischen klassischer Kultureinrichtung und wirtschaftlichem Unternehmen. Da bedarf es einer besonderen Sensibilität in der Leitung und Führung. Suhrkamp ist ja keine Schraubenfabrik.

Sollte die Politik vermitteln, so eine Art Mediator spielen?

Nein. Hier geht es um einen Rechtsstreit zwischen zwei privaten Rechtspersönlichkeiten, da sollte sich die Politik nicht einmischen. Ich sehe auch nicht, dass der Verlag handlungsunfähig oder gefährdet ist. So wie es aussieht, kommt es ja zu einer Berufungsverhandlung.

Suhrkamp sucht ein neues Domizil, der Mietvertrag für das derzeit genutzte Haus an der Pappelallee in Prenzlauer Berg läuft angeblich bald aus.

Bei der Suche haben wir geholfen. Der Standort ist eigentlich gefunden, es liegt ein unterschriftsreifer Vertrag vor.

Wo will Suhrkamp denn hinziehen?

Das fragen Sie bitte den Verlag, aber ich kann mir vorstellen, dass sich dort vor der Vertragsunterzeichnung niemand äußern möchte.

Stimmt es denn, dass dieser Vertrag nur mit Zustimmung des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach unterzeichnet werden kann?

Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Fakt ist, dass die Politik bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück geholfen hat, wir haben einige Standorte angeboten und der Verlag hat jetzt offenbar den richtigen für einen geplanten Neubau gefunden.

Suhrkamp baut neu?

Das ist das Ergebnis der Suche. Es war nicht leicht, etwas Geeignetes zu finden, aber dieses Problem scheint gelöst.

Bauen in Berlin ist mitunter etwas kompliziert und gelegentlich langwieriger als geplant: Wie ist der Zeitplan bei dem Suhrkamp-Projekt?

Das kann ich Ihnen nicht sagen.