E-Commerce

Ebay verabschiedet sich vom Schnäppchen

Das frühere Portal für private Auktionen wird immer mehr zum Handelsplatz der Profis

– Wer aktuell auf der Seite des Online-Auktionshauses nach Markenware sucht, wird schnell feststellen: Die Gattungsbezeichnung „Online-Auktionshaus“ trifft auf den US-E-Commerce-Riesen längst nicht mehr zu: Gebrauchte Ware ist inzwischen in der Minderzahl aller Angebote, Privatauktionen ebenfalls. Stattdessen dominieren Marken-Stores professioneller Händler die Verkaufsplattform, sogar Hersteller betreiben Ebay-Auftritte.

Das widerspricht der ursprünglichen Idee hinter Ebay – und ist doch ganz im Sinne von CEO John Donahoe. Der hat erstmals in der 17-jährigen Firmengeschichte ein komplettes Redesign des Online-Auftritts angestoßen, das Ergebnis steht seit dem 10. Oktober online und erinnert stark an die populäre Fototauschplattform Pinterest. Nun müssen die Kunden auf Ebay nicht mehr selber suchen, sondern bekommen Vorschläge aufgrund ihrer bisher getätigten Käufe. Wem das Verkaufskonzept vom Konkurrenten Amazon bekannt vorkommt, liegt nicht falsch. Auch wenn Donahoe der Name des Konkurrenten nicht über die Lippen kommt, ist deutlich: Ebays neues Ziel ist die Dominanz im lohnenden Online-Geschäft mit Neuware zu Festpreisen.

„Ebay befindet sich aktuell in einer hochspannenden Phase des Wandels“, kommentiert Andreas Voswinckel, Geschäftsführer des deutschen Ebay-Dienstleisters Limal aus dem norddeutschen Städtchen Neumünster. Voswinckel hat sich mit seinem Start-up darauf konzentriert, Ebay-Verkäufe für Markenanbieter zu managen. Mehr als 30 Marken vertritt er auf Ebay, darunter neben Skechers den japanischen Fotooptik-Spezialisten Sigma, den Hauselektronik-Hersteller Bauknecht oder den Rucksackanbieter Eastpak. „Manche Hersteller verkaufen nur ihre Auslauf- und Outlet-Ware über uns, andere lassen komplette Marken-Stores entwerfen“, erklärt der Gründer. „Wir profitieren massiv vom Wandel der Plattform: Inzwischen sind 90 Prozent aller Verkäufe Neuware zu Festpreisen.“

Bislang besuchen Ebay-Kunden die Plattform vor allem, wenn sie auf Schnäppchensuche sind – diese Mentalität kommt Ebay durchaus zupass, stöbern die Kunden doch so viel eher herum als beim Konkurrenten Amazon. Wie gut Ebays neues Design bei den Kunden ankommt, bewies die Plattform am vergangenen Wochenende: Die Tage rund um das US-Thanksgiving-Wochenende sind als „Black Friday“ und „Cyber Monday“ der Start in die Weihnachtssaison des US-Einzelhandels. Doch in diesem Jahr konnte vor allem Ebay vom Kaufrausch profitieren: Im Vergleich zum Vorjahr konnte Ebay mehr als fünf Mal so viel Umsatz verbuchen wie noch 2011, analysierten die US-E-Commerce-Spezialisten von Channel Advisor. Die Ebay-Aktie notierte am Dienstag prompt auf einem Acht-Jahres-Hoch von über 51 Dollar.

Vor allem auf Mobilgeräten legen die Kalifornier massiv zu: Mehr als 30 Prozent der Umsätze des Rekord-Wochenendes kommen von Smartphones und Tablets. Der fatale Trend für den Einzelhandel heißt „Showrooming“: Die Kunden kommen in den Laden, suchen sich ihr Produkt aus – und greifen zum Smartphone, um online die Preise zu vergleichen. Demnächst geht das Portal einen Schritt weiter. In Berlin eröffnet erstmals ein Ebay-Kaufraum. Ab Dezember sollen dort Kunden Waren einkaufen, die sie zuvor im Markengeschäft in der Hand hatten.