Skurriles

Wenn die Freiheitsstatue hinter ihrem Sockel in Deckung geht

Die U-Bahn-Station Times Square ist komplett geflutet, ein Taucher schwebt einen knappen Meter über dem Bahnsteig. Seine Luftblasen steigen nach oben, ironischerweise leuchten die Neonröhren an der Decke noch.

Auf einem anderen Bild schwimmt ein kleiner Hai bedrohlich nahe an einer kleinen Veranda im Vorgarten, ein anderes Exemplar ist auf einem Highway in New Jersey unterwegs.

Als der Wirbelsturm „Sandy“ Amerikas Ostküste mit heftigem Wind und peitschendem Regen traf, stellten Augenzeugen Tausende Fotos ins Internet. Eine Vielzahl der Bilder, die gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram kursieren, sind aber ganz offensichtlich gefälscht.

Am Computer wurden Wolken montiert, Seehunde aus Minnesota in den Straßen von New York platziert, und ein Filmplakat des Katastrophenfilms „The Day After Tomorrow“ von Roland Emmerich wurde als aktuelle Ansicht der Freiheitsstatue ausgegeben. Schwerer als Fälschung zu identifizieren, war das Bild mit einem dunklen Wolkenwirbel über der Freiheitsstatue. Allerdings war der bedrohliche Himmel nur aus einem anderen Wirbelsturmbild hineinkopiert, wie US-Medien entdeckten. Weitere Fotos sind bereits Jahre alt und werden jetzt wieder als Live-Bilder von „Sandy“ verbreitet.

Bei Instagram werden mittlerweile nicht nur Wirbelsturmbilder mit dem Suchbegriff „Sandy“ verschlagwortet, sondern auch allerlei Unsinn. Denn auch dort haben die Photoshop-Künstler gute Arbeit geleistet: Die Freiheitsstatue klammert sich da verschämt an ihren Rock, der ihr wie einst bei Marilyn Monroe vom starken Wind nach oben gepustet wird. Auf einem anderen Bild versteckt sie sich vor den drohenden Flutwellen hinter ihrem Sockel. Auch Frankenstein, nachdem „Sandy“ bereits als „Frankenstorm“ betitelt wurde, taucht zwischen den Fluten auf.

Verschiedene Seiten haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, die echten von den gefälschten Bildern zu trennen. Das US-Magazin „The Atlantic“ analysiert dazu die meistverbreiteten Fotos, versucht, weitere Ansichten einer bestimmten Szene zu beschaffen, und versieht die Bilder mit „Richtig“- oder „Falsch“-Buttons. Die Seite wird laufend aktualisiert.

Nach dieser Flut von Fälschungen war das Misstrauen der Internetnutzer so groß, dass selbst eine Journalistin der „New York Times“ ausdrücklich versichern musste, dass ein Regenbogenfoto, das sie von ihrem Balkon aus aufgenommen hatte, ganz sicher echt sei.