US-Präsidentenwahl

Obama, die Kinder und der „Bullshitter“

S-Präsident Barack Obama gilt als herausragender Redner, die Macht der Worte dürfte ihm bewusst sein. Und doch tappte er knapp zwei Wochen vor der Wahl tief ins Fettnäpfchen.

UEr bezeichnete seinen Herausforderer Mitt Romney als „Bullshitter“, als Dummschwätzer also. Von einem Reporter des Magazins „Rolling Stone“ auf seine Beliebtheit bei Kindern angesprochen, sagte der Präsident: „Kinder haben einen guten Instinkt. Sie gucken sich den anderen Kerl an und sagen: ‚Das ist ein Dummschwätzer, das kann ich sehen.‘“

Nun ist es lange bekannt, dass Obama mit Umgangssprache kein Problem hat. Über den Rap-Musiker Kanye West etwa sagte er, der sei zwar ein talentierter Typ, aber ein „Jackass“, eine Mischung aus Idiot und Arsch. Selbst die wohl hässlichste Beschimpfung im englischen Sprachraum, „Motherfucker“, ist für Obama kein Tabu: In seiner Autobiografie „Dreams From My Father“ macht er reichlich Gebrauch davon.

„Bullshitter“ ist dagegen eine vergleichsweise milde Beschimpfung, doch das empörte Echo der Republikaner blieb nicht aus: Der Präsident habe offenbar nichts Besseres zu bieten als Beleidigungen und Attacken, sagte ein Sprecher des Romney-Camps dem amerikanischen TV-Sender CNN.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Dan Pfeiffer, bat, sich „auf die Sache“ zu konzentrieren, nicht die Sprache. Es sei dem Präsidenten um die Glaubwürdigkeit seines Konkurrenten gegangen. Obamas Wahlkampfberater David Axelrod war weniger diplomatisch: Obama ziele auf Romneys häufige Meinungsänderungen, sagte er. Die Bemerkung hätte für Romney „keine echte Überraschung sein sollen“.

Unschöne Beschimpfungen der Konkurrenz sind im US-Wahlkampf keine Seltenheit, kommen in der Regel aber aus der zweiten Reihe. Die bei vielen Republikanern beliebte konservative Kolumnistin Ann Coulter etwa bezeichnet Obama mit Vorliebe als „retard“, zurückgeblieben. Das trug ihr heftige Kritik von Behindertenverbänden ein, was sie jedoch nicht im Geringsten zu stören scheint.

Obama selbst hatte stets Wert darauf gelegt, seine Kampagne ohne gegenseitige Beschimpfungen, ohne Hass führen zu wollen. Diese Vorsätze, werfen ihm Kommentatoren vor, habe er nun gebrochen.

Dass Romney sich mit einem ähnlich farbigen Begriff revanchiert, ist wohl nicht zu erwarten. Er ist vielmehr für sein geradezu altmodisch züchtiges Vokabular bekannt, das Wort „Hölle“, wie etwa in „Geh zur …“ spricht der zutiefst fromme Mormone gar überhaupt nicht aus. Das schlimmste Wort in seinem Repertoire sei ein gelegentliches „Mist“, erinnert sich in der „New York Times“ ein Kollege Romneys aus dessen Zeit als Gouverneur von Massachusetts.