US-Wahlkampf

Geneigte Schulter, Kopfnicken und das Alphatier

Wie schon das erste Fernsehduell hat Körpersprache-Spezialist Stefan Verra auch das zweite beobachtet.

Und er sah – anders als vor knapp zwei Wochen – einen verwandelten Präsidenten.

Mitt Romney Gleich zu Beginn sieht man etwas Typisches für ihn: In seiner Körperhaltung neigt er immer die linke Schulter tiefer als die rechte. Er muss die Haltung dann mit dem Kopf ausgleichen. Damit schaut er die Sache immer leicht von der Seite an. Wenn er das (wie so oft) mit einem einseitigen Lächeln paart – nur ein Mundwinkel gehoben – spielt etwas Zynismus mit. Mit dieser Körpersprache allein kann er schon manche Aussagen von Barack Obama missbilligen. Als Herausforderer kann er dieses Signal schon einsetzen. Zu viel von dieser Asymmetrie in der Körperhaltung und Mimik wirkt aber wenig entschlossen und nicht sehr zielgerichtet. Insgesamt macht er seine Sache ähnlich wie beim ersten Mal. Bei konkreten Versprechungen öffnet er die Augen, so weit es geht – und kommt dem Publikum gleichzeitig näher. Zudem sagt er seine Worte mit deutlichen und großen Gesten. Damit verspricht er: Aktivität und Offenheit. Er spricht einzelne Zuschauer direkt an, zudem lächelt er. Das spricht für Souveränität. Romney macht seine Sache körpersprachlich gut.

Barack Obama Ganz anders als beim ersten Mal. Er kann es nicht erwarten, bis er endlich zu Wort kommt. Schon während Romney spricht, wippt der Körper von Obama mit. Was im ersten Moment als zustimmendes Nicken aussieht, ist ein Signal, dass er voll Energie und Kraft ist. So viel Kraft, dass er sich schwer ruhig halten kann. Als er dann das Wort erhält, springt er auf und beginnt zu reden, noch bevor er richtig in der Mitte der „Bühne“ steht. Damit verspricht er große Tatkraft. Er macht gleich zu Beginn eine Geste (Handfläche Richtung Boden), die beruhigend wirkt und Sicherheit ausstrahlt. Er wechselt zu einer Zeigefingergeste. Diese klar strukturierten Gesten haben wir in der ersten Debatte vermisst. Da war alles verwaschen, klein, undeutlich. Seine Stimme ist höher und lauter. Fast so, als ob er in einem Stadion vor 30.000 Leuten reden würde. Damit wirkt er aggressiver. Seine Kopfbewegungen sind raumgreifend. Nur ein Alphatier, dass sich in seinem Rudel wohlfühlt, macht so etwas. Der ängstliche Obama der ersten Debatte hat darauf komplett verzichtet!

Insgesamt hat Obama seine Sache gut gemacht, Romney auch. Romney hat uns nur nicht mehr so überrascht wie beim ersten Mal. Diese Debatte hat Obama für sich entschieden. Die Inhalte waren körpersprachlich noch mehr zurückgedrängt, es war viel mehr Aggressivität bei beiden zu spüren. Sie traten als tatkräftige Wundermacher auf, die die Krise alleine und über Nacht beiseiteräumen könnten.