Personalien

Die Kanzlerin legt vor

„Ich nehme jeden, der kommt“, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in einer parteiinternen Telefonkonferenz auf die Frage geantwortet, wer ihr als SPD-Kanzlerkandidat am liebsten wäre.

Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass die SPD Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ins Rennen schicken will, demonstrierten die meisten Unionspolitiker dieselbe Gelassenheit wie ihre Chefin und verwiesen auf das neue ZDF-„Politbarometer“.

Danach würde Merkel Steinbrück bei einer Direktwahl zum Kanzler mit 53 zu 36 Prozent schlagen – kaum anders wäre die Ausgangslage bei einem Rennen gegen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gewesen. Dennoch wird es künftig komplizierter, denn von nun an werden Bundesbürger nicht nach einer Troika, sondern nur noch nach dem Kanzlerkandidaten Steinbrück gefragt werden. In der Union wird außerdem eingeräumt, dass Steinbrück – ähnlich wie Steinmeier – für die „bürgerliche Mitte“ durchaus attraktiv ist. „Er kann am besten im Lager der Unionswähler wildern“, meint auch der Politikwissenschaftler und Merkel-Biograf Gerd Langguth. Auch die Meinungsforscher weisen dem ehemaligen Finanzminister hohe Kompetenzwerte für die Themen Wirtschaft und Finanzen zu. Er gilt als sprachgewaltig und als einer, der keine Auseinandersetzung scheut.

Paradoxerweise sehen CDU-Strategen allerdings in Steinbrücks Mitte-Orientierung Merkels größte Chance. „Er tritt mit einem Profil an, das auch Merkel hat – dabei gibt es keine Wechselstimmung für das Kanzleramt“, sagt auch der Geschäftsführer von TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner. Auch Steinmeier sei bei der Bundestagswahl 2009 ein in allen politischen Lagern hoch geschätzter Politiker gewesen – und habe trotzdem nur 23 Prozent eingefahren. „Die meisten Leute sagen sich offenbar: Das Kanzleramt ist doch schon besetzt.“ Die Zufriedenheitswerte mit Merkel seien seit der Wahl 2009 sogar noch erheblich gestiegen.

„Merkel kann ihren ehemaligen Finanzminister relativ leicht entzaubern“, glaubt auch Langguth. Die „sehr enge Zusammenarbeit“ mit Steinbrück in der großen Koalition, die auch Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag würdigte, könne sich als Bumerang für den Herausforderer erweisen.

Bereits in den vergangenen Monaten war in der CDU-Spitze immer wieder durchaus süffisant darauf verwiesen worden, dass gegen Steinbrück eine Auseinandersetzung über den Kurs in der Schuldenkrise leicht zu gewinnen sei. Man müsse nur daran erinnern, welche Entscheidungen er bis zu seinem Ausscheiden aus der Regierung mitgetragen habe. Das Plädoyer von SPD und Grünen für Euro-Bonds und einen Altschuldentilgungsfonds gilt zudem in der Regierung als schwere Bürde für jeden SPD-Kandidaten. Denn in Umfragen lehnt eine Mehrheit der Deutschen quer durch alle Lager eine Vergemeinschaftung von Schulden ab.