Medien

Wenn ein Gerücht ein anderes Gerücht ersetzt

Während Bettina Wulff bemüht ist, mit ihrem Buch jene Gerüchte endlich loszuwerden, die seit Jahren über ihre – nicht vorhandenen – Beziehungen zum Rotlichtmilieu im Umlauf waren, wurden bereits die ersten Folgegerüchte auf den Weg gebracht.

So äußerte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, am Montag den Verdacht, dass Bettina Wulff nur gegen die Rotlicht-Gerüchte klagt, weil sie für ihre Autobiografie „Jenseits des Protokolls“ Werbung machen wolle. „Der zeitgleiche Verkaufsstart ihres Buches nährt den Verdacht einer PR-Kampagne mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen“, teilte Konken mit. Nur deshalb gehe die Ex-First-Lady jetzt mit zahlreichen Unterlassungserklärungen gegen Blogger, den Internetkonzern Google und Fernsehmoderator Günther Jauch vor.

Mahnung an alle

Kann sein, dass er recht hat. Kann aber auch sein, dass es im Kern Wulffs Anliegen ist, ihren Ruf wiederherzustellen, findet als Reaktion darauf der Berliner Medienwissenschaftler Jo Groebel und sagt: „Ich warne sehr davor, das eine Gerücht jetzt durch ein anderes Gerücht – nämlich das der PR-Maßnahme – zu ersetzen.“ Es reiche jetzt, „was Gerüchte und Denunziationen angeht“. Ob diese Mahnung bei allen Beteiligten ankommt, ist nicht sicher.

Niedersachsens Christdemokraten verwahren sich zum Beispiel mittlerweile gegen die aus ihrer Sicht „charakterlosen“ Vorwürfe, dass die „schlimmen Verleumdungen gegen Frau Wulff“ ihren Ursprung in der Niedersachsen-CDU genommen hätten. Das hatten zunächst die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Bild am Sonntag“ ohne das Nennen von Namen und ohne Belege berichtet. Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann griff diese Behauptung auf und forderte gleich den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) auf, diesen Gerüchten in seiner Partei nachzugehen. Deren Generalsekretär Ulf Thiele wirft der SPD deshalb vor, sich an einer „verleumderischen Debatte nur zu beteiligen, um daraus politisch Kapital zu schlagen. Sie weiß, dass man sich gegen absurde Gerüchte nicht wehren kann, und man kann sie auch nicht aufklären. Wer nicht Ross und Reiter nennen kann, sollte besser schweigen.“

Mangelnder Rückhalt

Ein Rat, den auch viele Parteifreunde Thieles lange Zeit nicht beherzigt haben. Viele von ihnen haben hinter kaum vorgehaltener Hand über den Einfluss Bettina Wulffs auf ihren Mann berichtet, sie fanden das nicht unbedingt vorteilhaft und mokierten sich auch über die angeblich recht wilde Vergangenheit ihrer First Lady. Dabei ging es im Kern allerdings in der Regel um eine nicht hinreichende Distanz der Wulffs zu Glanz und Glamour und um die Versuchungen, die aus dieser Nähe erwachsen können.

Fakt ist, dass der unfreiwillige Rücktritt Christian Wulffs im Februar 2012, dass die ganze Präsidentenaffäre ohne die mangelnde Unterstützung seiner eigenen Partei nicht vollständig erklärt werden kann. Dieser mangelnde Rückhalt gerade auch in Niedersachsen rührte zum Teil aus umstrittenen Personal-Entscheidungen, zum Teil aber eben auch aus dem Getuschel und Gerede, das der frühere niedersächsische Ministerpräsident mit dem öffentlichen Rummel um die Neuordnung seines Privatlebens auf sich gezogen hatte.