Leibniz-Preis

Ausgezeichnete Berliner Forscher

Carmen Birchmeier, Nikolaus Rajewsky und Thomas Jentsch erhielten den Leibniz-Preis

- Unter den vielen herausragenden Forschern am MDC sind drei, die bereits die mit bis zu 2,5 Millionen Euro am höchsten dotierte deutsche Wissenschaftsauszeichnung gewonnen haben: den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Carmen Birchmeier-Kohler, die an der Eidgenössischen Technischen Fachhochschule (ETH) in Zürich studierte, widmet sich mit ihrer Forschungsgruppe molekularbiologischen Fragen, die bei der Entwicklung von Embryonen und Organen von Säugern auftreten. Sie erforscht, wie die Signale zwischen den Zellen übertragen werden, die für ein geordnetes Zusammenspiel in dieser Phase sorgen. Sind die Signalwege gestört, kann es zu Entwicklungsstörungen kommen. Bei Mäusen wurden gezielt bestimmte Gene ausgeschaltet, wodurch eine Reihe von Wachstumsfaktoren im Organismus aufgeklärt wurde. Dabei ergab sich, dass sie entscheidend sind für die Entstehung von Brustkrebs oder für Fehlfunktionen des Nervensystems.

Nikolaus Rajewsky holte 2011 den vorläufig letzten Leibniz-Preis ans MDC. Der Mathematiker und Physiker ist Professor für Systembiologie am MDC und wissenschaftlicher Leiter des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB), für das ein Neubau auf dem Campus der Humoldt-Universität entstehen wird. Die Systembiologie verbindet Molekularbiologie, Biochemie, Mathematik und Physik mit dem Ziel, komplexe Vorgänge des Lebens quantitativ zu erfassen und vorherzusagen. In seiner Forschung befasst sich Professor Rajewsky unter anderem mit einer erst seit wenigen Jahren bekannten Gruppe von Genen, den MicroRNAs. Sie spielen, wie er experimentell und mithilfe der Bioinformatik zeigen konnte, eine wichtige Rolle bei der Genregulation, auch von Genen, die eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten spielen. Rajewsky studierte in Köln, arbeitete später unter anderem an der New York University. Außerdem studierte er in den 90er-Jahren Klavier an der Folkwang-Schule in Essen. Sein Vater Klaus Rajewsky (75) ist ein bekannter Immunologe. Er ging nach seiner Emeritierung als Professor in Köln nach Harvard, kehrte 2011 nach Deutschland ans MDC zurück.

Thomas Jentsch, 59 Jahre alter Neurobiologe, gilt als Spezialist für die Erforschung des Ionentransports bei Krankheiten wie Hörverlust oder Knochen- und Nierenkrankheiten. Er und seine Gruppe untersuchen auch die Funktionen der Transportproteine. Der gebürtige Berliner, der an der Freien Universität studierte und später unter anderem am renommierten MIT in Cambridge in den Vereinigten Staaten tätig war, gehört nach Angaben des MDC zu den weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlern überhaupt. Im Jahr 2006 wechselte Jentsch von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf nach Berlin-Buch. Er ist außerdem Ordinarius an der Universitätsklinik Charité.