Interview

"Jung und Alt müssen noch mehr zusammenkommen"

Sie möchten so lange wie möglich selbstständig zu Hause wohnen und am öffentlichen Leben teilnehmen.

- Dies seien laut Karin Lau (70), der stellvertretenden Vorsitzenden der Landesseniorenvertretung Berlin, die größten Wünsche der meisten Senioren. Katrin Lange hat mit ihr gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Wie zufrieden sind die Senioren in Berlin?

Karin Lau:

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es gibt Senioren, denen es finanziell und gesundheitlich gut geht. Es gibt aber andere, die an der Armutsgrenze leben, behindert oder allein sind. Insgesamt muss es den Senioren besser gehen.

Was sind die größten Probleme?

Es gibt zu wenig seniorenfreundliche, bezahlbare und behindertengerechte Wohnungen. Ein zentrales Thema ist auch die Mobilität. Der Begleitservice müsste ausgebaut werden, damit Senioren in Bibliotheken, Konzerte oder Lesungen können. Doch statt das Angebot zu verstärken, wurde es reduziert. Kontakt ist wichtig, um nicht zu vereinsamen.

Die Menschen werden immer älter, welchen Herausforderungen muss sich Berlin stellen?

Es muss mehr qualifiziertes Pflegepersonal ausgebildet werden. Pfleger werden zunehmend im betreuten Wohnen, in Seniorenresidenzen und in der häuslichen Pflege gebraucht.

Wenn Sie einen Wunsch äußern könnten?

Dann dürfte weder bei Senioren- noch bei Kindereinrichtungen der Rotstift angesetzt werden. Wenn doch eine Einrichtung auf dem Prüfstand steht, sollte vorher mit allen Beteiligten gesprochen werden, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Wichtig ist, dass Jung und Alt noch mehr zusammenkommen. Davon profitieren alle.