Technik

Altersgerechte Assistenzsysteme - ein Milliarden-Markt

Telefonkonzerne, Softwareentwickler, Apparatebauer, Netzbetreiber: Sie alle wittern ein großes Geschäft.

- Und auch für Dienstleister, Wohnungsunternehmen, Kliniken und Pflegedienste verspricht die Aussicht, dass alte Menschen mithilfe technischer Assistenzsysteme länger selbstständig in ihren Wohnungen bleiben können, lukrative geschäftliche Möglichkeiten.

"Ambient Assisted Living (AAL)", zu Deutsch etwa "von außen unterstütztes Leben" heißt ein Trend, der seit einigen Jahren Mediziner, Forscher und Wirtschaftsleute gleichsam fasziniert. Denn alle wissen: Der demografische Wandel ist in vollem Gange. Seit 2007 gibt es deshalb ein europaweites AAL-Förderprogramm, mit dem Bedürfnisse von Senioren und entsprechende Lösungen erforscht und entwickelt werden sollen. 23 Länder tragen das Projekt mit, zwischen 2008 und 2013 fließen Fördermittel von 50 Millionen Euro in die einzelnen Projekte, die Hälfte aus den Kassen der Europäischen Union.

Die staatlichen und privaten Finanzierer solcher Forschungsbudgets hoffen auf einen Rückfluss ihres Geldes. Sie gehen von einem Milliarden-Markt aus. Das Bundesforschungsministerium hat beim Institut für Gerontologie der Universität Vechta eine Studie in Auftrag gegeben, um die ökonomischen Potenziale "altersgerechter Assistenzsysteme" zu untersuchen. Es ist das erste Mal, das Wissenschaftler versucht haben, die Umsatzpotenziale, aber auch die mögliche Nachfrage nach solchen neuen Systemen zu ermitteln. Die Hypothese ist, dass alle Haushalte, in denen eine Person im Alter über 50 Jahren lebt, grundsätzlich als Kunde für solche Systeme infrage kommen. Mit steigendem Alter nehmen dann Bedarf, aber auch Zahlungsbereitschaft der Leute zu. Die Autoren gehen von einem möglichen Umsatz von mehr als 80 Milliarden Euro aus, der sich aus der Anschaffung der notwendigen technischen Geräte sowie einer monatlichen Zahlung für die genutzten Dienstleistungen zusammensetzt. Dieses theoretische Umsatzpotenzial sei aber nur auf sehr lange Sicht durch die privaten Haushalte finanzierbar, heißt es in der Studie.

Dass viele deutsche Senioren sich zusätzliche Kosten für solche Systeme leisten könnten, steht außer Frage. Laut Statistischem Bundesamt verfügten die deutschen Privathaushalte mit Menschen über 50 Jahren 2008 über mehr als 650 Milliarden Euro. 80 Prozent davon gaben sie für privaten Konsum aus.

Diesem gewaltigen Potenzial steht aber eine noch wenig ausgeprägte Bereitschaft der Privatleute gegenüber, für solche Assistenzsysteme auch tatsächlich regelmäßig Geld zu bezahlen. Denn auch Leute mit höherem Einkommen gaben in einer Befragung an, sie würden allenfalls zwischen elf und 20 Euro pro Monat ausgeben. Nur jeder fünfe der Befragten über 50 kann sich vorstellen, für ein modernes technisches Assistenzsystem mehr als 20 Euro monatlich zu bezahlen.

Die entscheidende Frage zur Weiterentwicklung der Assistenzsysteme für Ältere ist, ob sie zum Beispiel über Sozial- oder Krankenversicherungen finanziert werden. Denn wenn Senioren länger alleine zu Hause wohnen können, spart das teure Altenheimplätze, die Arzt-Sprechstunde per Videokonferenz ist günstiger, und eine dauerhafte gesundheitliche Überwachung der älteren Menschen kann Krankheiten vorbeugen.