Kommentar

Es braucht staatliche Jäger

Raik Hannemannüber die Folgen des Falls Armstrong

Auch der Frontmann dieser dopingverseuchten Generation von Radprofis wird nun wegen Betrugs gestoppt. Dass es einen der größten Weltstars des Sports trifft, der dank eingefahrener Millionen und bester Kontakte sich jeden Prozess leisten konnte, kann zum Umdenken bewegen.

Deswegen sollten die Sportfunktionäre jetzt auch keine neuen Sieger - wie etwa den ebenfalls gedopten Jan Ullrich - anstelle Armstrongs küren, sondern für diese Zeit einfach auf diese gänzlich verzichten.

In die Knie gezwungen hat Lance Armstrong übrigens nicht die oft viel zu zahnlose Sportgerichtsbarkeit, sondern staatliche Behörden, die Teamkollegen aus Angst vor Anklage wegen Meineids zu Kronzeugen machten. Daher ist es angebracht, über eine Anpassung der deutschen Gesetze, wie sie Bayerns Justizministerin Beate Merk gerade erst wieder vorschlug (Einführung des Straftatbestands Sportbetrug, Verbot des Besitzes von Dopingwirkstoffen) ernsthafter zu diskutieren. Der Sport braucht halt nicht nur Zielvorgaben vom Staat, sondern auch mal ganz praktische Hilfe.