Lance Armstrong

"Dass Ullrich zum Sieger erklärt wird, wäre die logische Folge"

Der Berliner Sportrechtsexperte Roland Krause geht davon aus, dass Jan Ullrich zum Toursieger der Jahre 2000, 2001 und 2003 erklärt wird, sollte Lance Armstrong seine sieben Titel bei der Frankreich-Rundfahrt verlieren.

- "Das wäre die logische Konsequenz", sagte der Jurist im Gespräch mit Martin Einsiedler.

Lance Armstrong sieht sich ungerecht von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada behandelt. Was konkret waren seine Einwände?

Roland Krause:

Armstrongs Einwand war ja immer prozessrechtlicher, nie inhaltlicher Natur. Die Verfahrensregeln der Usada verletzten sein Recht auf ein faires Verfahren, ein Aspekt, der oftmals im amerikanischen Recht vorgebracht wird. Die Usada habe in seinem Fall keine Recht sprechende Gewalt, dagegen sei der Radsportweltverband UCI zuständig, lautete seine Begründung. Zudem habe er nie unterschrieben, dass er in den Zuständigkeitsbereich des 2004 von der Usada eingesetzten Schiedsgerichtes falle. Außerdem bemängelte er, dass die Usada gegen die eigenen Statuten verstoßen habe. Schließlich gibt es eine achtjährige Verfolgungsverjährungsfrist nach Artikel 17 des World Anti-Doping Code. Damit wären alle Vorwürfe vor 2004 verjährt.

Ein Zivilgericht in Texas hat Armstrongs Klage am Montag zurückgewiesen. Wie bewerten Sie das?

Ich finde das Urteil zutreffend. Das Zivilgericht in Texas hat Armstrongs Einwände abgelehnt, unter anderem mit dem Verweis, dass Armstrong hinreichend Rechtsmittel innerhalb der Verbandsschiedsgerichtsbarkeit offenstünden. Der Richter sagte zutreffend, dass "wenn schon drei internationale Sportorganisationen, die alle zum Ziel haben, gegen Doping vorzugehen, sich nicht einig werden können, dann wird ein US-Gericht sich nicht auch noch einmischen. Das soll der Sport intern lösen." Außerdem kann Armstrong nach einem Schiedsspruch gegen ihn auch das Schiedsgericht des Sports in Lausanne und dann immer noch die nationalen Schweizer Gerichte anrufen.

Ist das Urteil verbindlich?

Das Urteil des texanischen Gerichts ist verbindlich, soweit es die Zuständigkeit angeht. Lance Armstrong könnte noch dagegen Berufung einlegen in den USA. Jedoch kann der UCI, der als zuständiger Verband den Titel aberkennen kann, den Fall noch vor den CAS bringen, wenn er will. Dann würde alles noch einmal neu verhandelt werden.

Glauben Sie, dass Jan Ullrich nachträglich drei Toursiege zugesprochen bekommt?

Dass Jan Ullrich dann zum Toursieger der Jahre 2000, 2001 und 2003 erklärt wird, wäre die logische Folge. Es sei denn, der Radsportverband UCI hat eine Verjährungsfrist in seinen Statuten, was ich aber bezweifle. Wie nach so langer Zeit dann die Titel aberkannt werden und welches nationale Recht auf die Verjährung anwendbar ist, muss man genau prüfen. Auch stellt sich die Frage, ob Lance Armstrong die Preisgelder zurückzahlen muss und ob Jan Ullrich solche Preisgelder nachträglich erhält.