Aktion

Den Bedürftigen auf der Spur

Für eine Caritas-Aktion erforschen Berliner Kinder das Thema Geldnot

- Sofie und Sophie, beste Freundinnen mit fast gleichem Namen, stehen in ihren schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift "die armutsdetektive" am Nordausgang des U-Bahnhofs Kottbusser Tor in Kreuzberg und suchen jemanden, den sie zu dem Thema interviewen können. "Armut?", ein tätowierter Mann, der sich vor dem Supermarkt gegenüber eine Zigarette dreht, runzelt die Stirn und betrachtet den riesig wirkenden Fotoapparat am Hals von Sofie. "Nee, nee, da fragt mal lieber jemand anderen."

Armut, das ist die erste Lektion heute, ist kein besonders beliebtes Thema. Diejenigen, die arm sind, mögen nicht darüber sprechen, und diejenigen, die es nicht sind, wollen sich nicht damit beschäftigen. "Vielleicht schämen sich die Armen", mutmaßt Sofie leise. "Und die Reichen wollen sie lieber ignorieren." Die beiden Schülerinnen aus Lichtenberg sind mit einem halben Dutzend Gleichaltriger aus dem Kinder- und Jugendzentrum Magdalena der Caritas eine knappe halbe Stunde mit der U-Bahn von der Magdalenenstraße nach Kreuzberg gefahren. Sie sind als Armutsdetektive in verschiedenen Bezirken unterwegs, um versteckte Armut aufzuspüren. Die Aktion ist Teil der Caritas-Jahreskampagne "Armut macht krank", mit der die Caritas eine einkommens- und bildungsunabhängige Gesundheitsversorgung für alle fordert. Ihre Interviews wollen Sofie, Sophie und die anderen als Ton-, Film- und Fotodateien mit Text auf die Facebook-Seite des Berliner Caritasverbandes stellen, um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Doch dafür brauchen sie jemanden, der ihnen Auskunft gibt.

Sofie fasst sich schließlich ein Herz und spricht einen Mann im Rollstuhl an. "Begegnen Sie in Berlin in irgendeiner Form dem Thema Armut?" - "Ja, meine Frau zum Beispiel, die habe ich aus der Armut herausgeheiratet. Sie kommt aus dem Irak, aus Bagdad. Kennt ihr das? Dort ist es sehr schlimm, viele sind arm." - "Sind Sie selbst auch arm?" - "Gott sei Dank nicht, hier in Deutschland kann jeder ja zumindest überleben." Der Mann, Raad Hibish, erzählt Sofie und Sophie noch, dass er in ihrem Alter war, als er nach Deutschland kam, "das war vor 37 Jahren". Viel Geld habe er nicht. "Aber arm bin ich auch nicht." Sofie und Sophie lernen, dass es viele Arten von Armut gibt. Und sie suchen weiter.

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