Zertifikat

Drei Berliner Bezirke testen Sprachdiplom

In speziellen Lerngruppen sollen ausländische Schüler ein Deutsch-Zertifikat erwerben können

- Mit einem neuen Projekt will die Bildungsverwaltung Schüler ohne Deutschkenntnisse ab diesem Schuljahr stärker unterstützen. Das Modell Deutsches Sprachdiplom (DSD) sieht vor, dass Kinder und Jugendliche, die ohne entsprechende Sprachkenntnisse nach Berlin gezogen sind, in extra eingerichteten Lerngruppen unterrichtet werden, damit sie später in den regulären Schulbetrieb besser integriert werden können. Zunächst startet das Projekt mit 24 Lerngruppen in 13 Sekundarschulen in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg.

Das Deutsche Sprachdiplom kommt ursprünglich aus dem Auslandsschulwesen. Es wurde hier bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache eingesetzt und kann auf zwei verschiedenen Niveaustufen abgelegt werden. Das Diplom ist ein international anerkannter Nachweis, der den Schülern später auch den Einstieg in eine Ausbildung, die Weiterführung der schulischen Laufbahn an einem anderen Ort oder die Aufnahme eines Studiums erleichtern kann.

Vor zwei Jahren startete zunächst in Hamburg ein Modellversuch, das Sprachdiplom auch auf Schüler zu übertragen, die ohne Deutschkenntnisse in die Hansestadt gekommen sind. Mit Start dieses Schuljahres wird das Konzept nun erstmals auch in Berlin für Schüler der Sekundarstufe I angeboten. Ziel ist es, dass die Schüler in der Regel nach einem Jahr von ihrer Lerngruppe in eine Regelklasse wechseln können.

22 Lehrer speziell fortgebildet

Für Kinder, die nach Berlin gezogen sind und kein Deutsch sprechen, gibt es bisher schon spezielle Lerngruppen. In diesem Schuljahr wurden aufgrund des großen Bedarfs berlinweit 126 solcher Klassen eingerichtet, im vergangenen Schuljahr gab es erst 61. Von den 126 Lerngruppen nehmen nun 24 an dem Pilotprojekt Sprachdiplom teil. Hier lernen die Schüler nicht nur Deutsch, sie werden auch speziell darauf vorbereitet, das Sprachdiplom abzulegen. Das Modellprojekt richtet sich an Schüler der siebten bis zehnten Klasse. Die Vermittlung in die Lerngruppen läuft über die jeweiligen Schulämter der Bezirke. In einer Lerngruppe, deren Schüler altersgemischt sein können, sollen maximal 15 Kinder sitzen. Das jeweilige Sprachniveau der Schüler entscheidet über die Zuordnung zu einer Gruppe. Voraussetzung zur Teilnahme an dem Projekt ist, dass die Schüler bereits alphabetisiert sind und dass sie über schulische Kenntnisse aus ihren Heimatländern verfügen.

Neun Monate lang lernen die Kinder täglich etwa fünf Stunden in ihrer Gruppe Deutsch und werden daneben auch in anderen Fächern - auf Deutsch - unterrichtet. Für die Umsetzung des Projekts wurden in diesem Schuljahr bislang 22 Lehrer fortgebildet. Die Lehrer der jeweiligen Lerngruppe entscheiden während der Projektphase, ob ihre Schüler bereits im März 2013 die Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom ablegen können oder ob sie lieber erst ein Jahr später zur Prüfung antreten. In jedem Jahr wird nur ein Prüfungstermin angeboten.

Bei diesem Test werden die vier Bereiche Lese- und Hörverständnis sowie schriftliche und mündliche Kommunikation geprüft und bewertet. Externe Prüfer nehmen die Prüfungen ab. Grundlage für das Bestehen oder Nicht-Bestehen ist ein international festgelegter Bewertungsmaßstab. Wenn die Leistungen in einem Bereich schwächer als nötig ausfallen, können die Schüler auch eine Bescheinigung über Teilleistungen erhalten, heißt es bei der Bildungsverwaltung. Erfahrungsgemäß sei dies beim Schreiben der Fall.

Das Pilotprojekt "Deutsches Sprachdiplom" wird zunächst über einen Zeitraum von zwei Jahren in den drei Bezirken getestet. Nach Angaben der Bildungsverwaltung könnte das Modell danach aber auch auf weitere Berliner Bezirke ausgeweitet werden, wenn es erfolgreich verlaufen ist.