Debatte

Experten fordern einheitliches Vorgehen gegen Schulschwänzer

Die Debatte um den Umgang mit Schulschwänzern geht weiter.

- In Berlin fordert Bildungsexperte Joschka Langenbrinck (SPD), Bußgeldverfahren im Zusammenhang mit Schulschwänzerei konsequenter zu verfolgen. "Dazu muss die Zuständigkeit für die Abwicklung dieser Bußgeldverfahren von den Verkehrs- auf die Jugenddezernate übertragen werden", sagt er. Schulschwänzen dürfe nicht verharmlost werden, so Langenbrinck weiter. "Es ist eine Gefährdung des Kindeswohls und deshalb ist sofortige Hilfe nötig."

In der vergangenen Woche hatten sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) in der Berliner Morgenpost dafür ausgesprochen, verstärkt Bußgelder für Eltern von Schulschwänzern zu verhängen. Bildunsgexperte Langenbrinck plädiert jetzt für ein einheitliches Vorgehen in Berlin. Derzeit würde jeder Bezirk anders verfahren, sagt er. "Schulversäumnisse sollten künftig nicht erst nach zehn, sondern schon nach fünf aufeinander folgenden Tagen bei der Schulaufsicht angezeigt werden", fordert Langenbrinck. Notwendige Folgemaßnahmen zum Wohl der Kinder könnten dann schneller eingeleitet werden.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betont, dass Bußgelder ein letztes Mittel seien, wenn Eltern nicht mit der Schule zusammenarbeiten. "Wichtig ist jedoch, dass es gar nicht so weit kommt, sondern wir ein Vertrauensverhältnis zwischen Elternhaus und Schule aufbauen, damit wir der Schuldistanz präventiv begegnen und daraus folgendem Schulabbruch vermeiden können", sagt Scheeres.

Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) hält Prävention ebenfalls für wichtiger. In ihrem Bezirk habe es im vergangenen Schuljahr 700 Schulversäumnisanzeigen und 250 Bußgeldverfahren gegeben. Um dem Schulschwänzen vorzubeugen müsse aber mehr Geld für Schulsozialarbeit und Schulstationen ausgegeben werden, so Giffey. Der Familienbund der Katholiken in Bayern lehnt Bußgelder für Eltern von Schulschwänzern ab. Der Landesvorsitzende des Familienbundes der Katholiken, Johannes Schroeter, erklärte, der Schulbesuch sollte nicht durch mehr Zwang, sondern durch mehr Attraktivität gefördert werden.