Air Berlin

"Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe"

Air Berlin fliegt weiter mit Verlusten. Mehdorn will Gewinnschwelle bis 2013 erreichen

- Hartmut Mehdorn hat es sich nie ganz leicht gemacht. Im Gegenteil. Der agile 70-Jährige hat immer die Herausforderung gesucht und ist dabei keinem Scharmützel aus dem Weg gegangen. Als der Chef der Air Berlin bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gefragt wurde, ob er es in den letzten Monaten bereut hätte, zögerte er jedoch ganz kurz - um dann schnell nachzuschieben: "Ich bereue nichts."

Dabei hätte er allen Grund. Steigende Kerosinpreise, die Euro-Krise und hohe bürokratische Zusatzbelastungen durch Luftverkehrsabgabe und Emissionshandel belasten den Alltag des Air-Berlin-Chefs. Aber mit all dem müssen auch die Konkurrenten zurechtkommen. Air Berlin leidet aber zusätzlich unter der verschobenen Eröffnung des BER. "Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe", sagte Mehdorn. Bis dahin müsse es aber erst einmal ohne den neuen Airport weitergehen. Der ehemalige Bahn-Chef und sein Team wollen die für 2013 angepeilte schwarze Null auch mit dem Behelfsdrehkreuz in Berlin-Tegel schaffen.

Noch fliegt Air Berlin aber mit Verlust. Bereits vor einigen Tagen waren die Rumpf-Geschäftszahlen der Airline nach Börsenschluss veröffentlicht worden. Danach ist das operative Geschäft zwar besser gelaufen als im Vorjahr, das Ergebnis nach Steuern lag mit minus 66,2 Millionen Euro um 22,3 Millionen höher als im Vorjahreszeitraum. Das lag aber auch an einer vergleichsweise hohen Steuergutschrift in 2012.

Auslastung gesteigert

Laut Mehdorn konnten aber der Umsatz und die Auslastung der gut 152 Flugzeuge in den ersten sechs Monaten 2012 gesteigert werden. Es wurden mehr Langstreckentickets verkauft und unrentable Stecken, wie zum Beispiel von Hamburg nach Frankfurt am Main, sind eingestellt worden. Künftig soll auch "das Liniengeschäft weiter ausgebaut" werden. Viele Pauschalreiseveranstalter buchen zu Jahresbeginn weniger feste Sitzplatzkontingente für den Sommer, sondern ordern möglichst kurzfristig. Dies erschwert Air Berlin die Kapazitätsplanung und führt zu geringeren Vorauszahlungen.

Insgesamt soll deshalb die Flotte in diesem Jahr um weitere acht Maschinen verkleinert werden. "Es gibt Kaufinteressenten" sagte Hüttmeyer. Mehr nicht. Angesichts von weiterhin rund 500 Millionen Euro Schulden und einer vergleichsweise sehr dünnen Eigenkapitaldecke von nur vier Prozent vermuten nicht wenige in der Branche, dass die Berliner das Geld aus den Flugzeugverkäufen gut gebrauchen können.