Architektur

Viele Ideen, aber keine Entscheidung

| Lesedauer: 3 Minuten
Isabell Jürgens

Die Gründungsarbeiten für das Humboldt-Forum auf dem Schloßplatz haben bereits begonnen. Entstehen wird ein Gebäude, das auf drei Seiten mit den rekonstruierten Fassaden des von der DDR-Regierung im September 1950 gesprengten Berliner Schlosses versehen wird.

- Die Frage, wie das Umfeld gestaltet werden soll, stellt sich damit immer dringlicher. Doch wie so oft, wenn es um die Gestaltung der historischen Berliner Mitte geht, gibt es dazu nicht mal in der Senatsriege Einigkeit.

Während sich die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher schon im Mai darauf festgelegt hatte, dass ein zeitgenössischer Kontrapunkt zum rekonstruierten Schloss gesetzt werden soll, hat Kulturstaatssekretär André Schmitz, selbst Mitglied in der Wettbewerbsjury, jetzt in buchstäblich letzter Sekunde dafür gesorgt, dass auch an historische Vorbilder angelehnte Entwürfe eine Chance bekommen sollen (siehe Interview). Nur vordergründig geht es bei diesem sogenannten "Freiraum-Wettbewerb", der noch in diesem Sommer gestartet werden soll, um die praktische Frage, wie der Schloßplatz fit gemacht wird für den erwarteten Besucheransturm, um Feuerwehrzufahrten, Sitzplätze, Fahrradständer, Bushaltestellen und andere technische Anforderungen. Denn im Auslobungstext des Wettbewerbs, der bereits intern zwischen den beiden beteiligten SPD-geführten Senatsverwaltungen Stadtentwicklung und Kultur abgestimmt wurde, ist nun selbst die zuvor von der Senatsbaudirektorin so vehement verneinte Rückkehr des Neptunbrunnens vom Vorplatz des Fernsehturms an seinen ursprünglichen Standort auf dem Schloßplatz plötzlich wieder denkbar. Das wiederum impliziert jedoch die Frage, was die Berliner denn künftig auf dem angrenzenden Areal zwischen Schloßplatz, Alexanderplatz, Berliner Rathaus und Karl-Liebknecht-Straße zu erwarten haben. Bleibt es bei der Bewahrung der weitläufigen Freiflächen rund um das Marx-Engels-Denkmal und den Fernsehturm, die die DDR-Staatsmitte kennzeichneten? Oder soll doch wieder, in Anlehnung an das historische Straßenraster, ein dicht bebautes Stadtquartier entstehen?

Siegerentwürfe präsentiert

Während der rot-schwarze Senat in dieser Frage noch zögert und zaudert, nutzen Interessensverbände und Gruppen die Chance, ihre Wünsche für das Schlossumfeld bildgewaltig zu formulieren. So werden am heutigen Mittwoch in der (rekonstruierten) Kommandantur an der Straße Unter den Linden 1 die Siegerentwürfe des vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI ausgelobten Ideenwettbewerbs präsentiert. Unter den Wettbewerbsjuroren ausgewiesene Freunde der historischen Rekonstruktion wie etwa Schlossförderer Wilhelm von Boddin. Eingeladen waren insgesamt sechs Hochschulen, die sich an dem Wettbewerb beteiligt haben.

Als "Beitrag zur anhaltenden Schloßplatzdiskussion" versteht dagegen eine Gruppe junger Werber ihr "Haus der Kommunikation", mit dem sie den Platz virtuell besetzen wollen, wie sie es nennen. Das Modell zeigt einen futuristischen Bau, inklusive eigener U-Bahn-Haltestelle gleichen Namens. Im Internet und in Straßenumfragen lassen sie Touristen und Berliner darüber abstimmen, ob sie lieber das Schloss oder ihren Entwurf hätten. Und ebenfalls im Internet sammelt eine Initiative mit dem Namen "Humboldt21" unter dem Motto "Nach dem Wiederaufbau kommt der Wiederrückbau" bereits Spenden für den Abriss des Humboldt-Forums.