Nahverkehr

Sorgenkind S-Bahn bremst Berliner Spitzenposition

Mobilität und ein Spitzenplatz im Ranking für Berlin - auf den ersten Blick will das nicht richtig zusammenpassen.

- Denn was dem Berliner beim Stichwort Mobilität als Erstes in den Sinn kommt, ist wohl das Thema S-Bahn. Und das ist alles andere als spitzenmäßig. Diese vermeintliche Diskrepanz liegt daran, dass in der Studie des Vereins Allianz pro Schiene allgemeinere Qualitätsstandards im öffentlichen Nahverkehr abgefragt worden sind. Dazu gehören zum Beispiel die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Haltestelle, die Kundenzufriedenheit an den Bahnhöfen oder die Zahl der Arbeitsplätze in Bussen und Bahnen pro 100.000 Einwohner. Zudem ist der Nahverkehr nur einer von insgesamt neun Themenbereichen, die die Studienmacher untersucht haben.

Die Probleme mit der S-Bahn sind in Berlin aber natürlich trotzdem allgegenwärtig. Seit rund drei Jahren kämpft die Berliner S-Bahn mit zahlreichen Pannen und technischen Defekten. Wegen mangelhafter Wartung nach einem rigorosen Sparkurs noch unter dem alten Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kann die S-Bahn bis heute keinen vollständigen Betrieb anbieten. Bei Eis und Schnee fährt teilweise nur die Hälfte der vereinbarten Züge. Die Deutsche Bahn hatte in den letzten drei Jahren mit Freifahrten im Millionenwert um Nachsicht für die zahllosen Ausfälle bei ihrer S-Bahn-Tochter geworben.

Vergangene Woche hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer dem Berliner Senat auch noch vorgeworfen, mit der Teilausschreibung der S-Bahn zu lange gezögert zu haben. Dadurch dauerten Entwicklung und Bau der neuen Züge jetzt länger, hatte Ramsauer beklagt - dabei sei die reparaturanfällige alte Wagenflotte das Kernproblem der S-Bahn.

So verzeichnete die S-Bahn in der Berlin in diesem Jahr bereits Zehntausende Kilometer Ausfall aufgrund von Signalstörungen, Bauarbeiten, Krankmeldungen oder technischen Defekten. Allein von Januar bis Ende Mai dieses Jahres fielen 950.000 Zugkilometer aus, die die S-Bahn eigentlich im öffentlichen Nahverkehr Berlins anbieten sollte. Den Mutterkonzern Deutsche Bahn kostete das acht Millionen Euro. Das ist die Summe, die das Land Berlin nicht an die S-Bahn GmbH für erbrachte Verkehrsleistungen zahlen muss. Ein Zugkilometer bedeutet, dass ein Zug eine Strecke von einem Kilometer zurückgelegt hat. Zudem hat die S-Bahn in diesem Jahr erst an einer guten Handvoll von Tagen die ursprünglich für Ende 2011 angekündigte Zahl von 500 Doppelwagen im Einsatz gehabt.

Das wirkt sich natürlich auch auf die Pünktlichkeit der S-Bahn-Züge aus. Diese lag im vergangenen Jahr - unter Berücksichtigung sämtlicher Ausfälle - bei 84,1 Prozent. Eigentlich solle sie bei wenigstens 96 Prozent oder darüber liegen. So konnten U- und Straßenbahnen 2011 Pünktlichkeitswerte von 97,7 bzw. 91,6 Prozent erzielen.

Ungeachtet der S-Bahn-Pannen hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zum 1. August die Fahrpreise erhöht. Die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr stiegen damit um durchschnittlich 2,8 Prozent. In Berlin kostet der Einzelfahrschein für die Tarifzone AB beispielsweise künftig 2,40 und damit zehn Cent mehr als bisher.