Interview

"Eltern sollten nicht alle materiellen Wünsche erfüllen"

Über das Konsumverhalten und das Markenbewusstsein von Kindern - und wie Eltern und Schulen damit umgehen können - hat Florentine Anders mit Klaus Seifried vom schulpsychologischen Beratungszentrum in Tempelhof-Schöneberg gesprochen.

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Berliner Morgenpost:

Laut Verbraucheranalyse ist das Markenbewusstsein der Kinder und Jugendlichen gestiegen. Wo sehen Sie die Ursachen?

Klaus Seifried:

Kinder werden vor allem von ihren Freunden, der sogenannten Peergroup, geprägt. Das Markenbewusstsein kommt weniger aus dem Elternhaus, häufig kennen die Eltern nicht einmal die Marken. Über äußere Dinge machen die Jugendlichen ihren sozialen Status fest und verschaffen sich auch ihre eigene Identität. Einen starken Einfluss hat auch die Werbung, die teilweise gezielt Kinder anspricht. Kinder glauben, was die Werbung verspricht, während Erwachsene die Botschaften eher durchschauen. In der Schule kann das zum Problem werden. Wenn Kinder aus armen und reichen Familien aufeinandertreffen, kann es zu Konkurrenz, Neid und Mobbing kommen. Einige Schulen versuchen, diesem Problem durch Schuluniformen aus dem Weg zu gehen. Dadurch können die sozialen Unterschiede natürlich nicht völlig aufgehoben werden. Die Eltern sollten hier gegensteuern und nicht alle materiellen Wünsche ihrer Kinder erfüllen. Glücklich machen die Eltern ihre Kinder nicht durch Konsum, sondern durch Zeit und Zuwendung.

Die Internet-Nutzung der Kinder ab zehn Jahren ist laut Studie deutlich intensiver geworden. Wie sollten Eltern und Schulen darauf reagieren?

Eltern haben bei der Internet-Nutzung eine zunehmende Erziehungsverantwortung. Sie sollten sich genau informieren, was ihr Kind im Internet macht. Es ist aber auch Aufgabe der Schulen, die Medienkompetenz der Kinder zu stärken. Sie müssen beispielsweise wissen, dass Beleidigungen und Mobbing im Internet strafbar sind.

Sollte die Höhe des Taschengeldes auch Thema in der Elternversammlung sein?

Wichtig ist, dass das Taschengeld altersangemessen ist und dass die Kinder lernen, dass Geld nicht einfach aus dem Bankautomat kommt. Die Eltern müssen es verdienen, und deshalb ist es auch ratsam, das Taschengeld an kleine Pflichten zum Beispiel im Haushalt zu knüpfen. Vor allem wenn Ausflüge oder Klassenfahrten anstehen, sollte das Taschengeld unbedingt vorher in der Elternversammlung angesprochen werden, um zu vermeiden, dass der eine zehn und der andere 200 Euro in der Tasche hat.