Gäste

Schnäuzen Sie sich vor Chinesen nicht die Nase!

Ein Buch soll den Briten Anstand vor Gästen lehren

- Sind schon ein unzivilisiertes Volk, diese Briten. Putzen sich in Gegenwart von Chinesen die Nase, statt sie geräuschvoll hochzuziehen, wie in China üblich. Stellen dem Gegenüber Fragen nach Alter und Partner, selbst wenn er aus Brasilien kommt, wo persönliche Fragen tabu sind. Stecken die Hände in die Hosentaschen, obwohl sie mit Japanern sprechen, die das als unhöflich empfinden.

VisitBritain, das britische Fremdenverkehrsamt, hat einen Benimmführer herausgebracht, der helfen soll, Häme und Missverständnisse während der Londoner Spiele zu vermeiden. Die Gäste bringen immerhin, wie VisitBritain vorrechnet, 16 Milliarden Pfund in die Inselkassen. Das Heft wurde darum vorsorglich an alle 80.000 freiwilligen Olympiahelfer verteilt und Londonern mit häufigem Besucherkontakt wie Taxifahrern, Hoteliers und Kellnern, empfohlen. Ein Auszug:

Japan: Ein lächelnder Japaner ist nicht unbedingt glücklich. Japaner lächeln auch, wenn sie wütend, genervt, traurig oder enttäuscht sind. Japaner finden es unhöflich, wenn ihr Gesprächspartner die Hände in der Hosentasche lassen. Vermeiden Sie Blickkontakt, dies betrachten Japaner als unhöflich. Versuchen Sie so zu sitzen, dass ein Japaner nicht Ihre Schuhsohlen sehen kann. Vermeiden Sie Unpünktlichkeit und schnäuzen Sie nicht Ihre Nase.

Argentinien: Vorsicht beim Weineinschenken. Wird einem Argentinier der Wein von hinten eingegossen, fühlt er sich beleidigt, denn diese Geste signalisiert Feindschaft. Fühlen Sie sich nicht angegriffen, wenn ein Argentinier Sie wegen ihres Gewichts oder ihrer Kleidung beleidigt. Dies ist argentinischer Humor.

Hong Kong: Vermeiden Sie es, Hong-Kong-Chinesen anzuzwinkern. Zeigen Sie nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit der ganzen, geöffneten Hand. Reden Sie nicht über Armut oder Tod. Hong-Kong-Chinesen sind abergläubisch.

Arabien: Araber sind es nicht gewohnt, dass man ihnen sagt, was zu tun ist. Sie fühlen sich beleidigt, wenn man sich "bossy" benimmt. Sie erwarten, dass man sich um sie kümmert und ihre Kultur kennt.

Brasilien: Stellen Sie einem Brasilianer keine persönlichen Fragen. Auf dem Index stehen Fragen nach Alter, Ehe, Geld und nach dem Rivalen Argentinien.

Indien: Körperkontakt mit Indern sollte vermieden werden. Berührungen, auch wenn sie unschuldig und freundschaftlich gemeint sind, werden als übergriffig angesehen. Seien Sie tolerant gegenüber Indern, wenn sie unhöflich, laut und ungeduldig erscheinen. Dieses Verhalten ist dem Leben in chaotischen Städten und Lebensumständen geschuldet.

Mexiko: Sprechen Sie mit Mexikanern nicht über Armut, illegale Einwanderung, Erdbeben oder den Krieg mit den Vereinigten Staaten 1845-1846, sondern lieber über mexikanische Kultur, Geschichte, Kunst und Museen. Lautes Rülpsen gilt als unhöflich.

Australien und Neuseeland: Fühlen Sie sich nicht beleidigt, wenn ein Australier oder Neuseeländer Engländer als "Poms" ("Prisoner of the Mother Country", Anm. d. Red.) bezeichnet. Sie meinen es freundlich.

Deutschland: Tippen Sie nicht mit dem Finger an die Stirn, machen Sie nicht das OK-Zeichen (einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger zeigen, Anm. d. Red.), beides gilt in Deutschland als grobe Geste. Wundern Sie sich nicht, wenn Deutsche Ihr Verhalten korrigieren und zunächst abweisend erscheinen. Sie gehören zu den formell wirkenden Nationen, aber meist nur am Anfang einer Begegnung.