Seltene Arten

Willkommen zurück!

Wolf, Wisent und Wildkatze sollen wieder in Wäldern heimisch werden

- Es ist lange her, dass Wisente, Wildkatzen und Wölfe in großer Zahl durch Europa streiften. "Manche Arten wurden vor Jahrzehnten ausgerottet, andere schon vor Jahrhunderten", sagt Dalibor Dostal, Direktor der europäischen Naturschutzorganisation European Wildlife. Doch viele der Wilden kehren zurück: Die Zahl der Wölfe und Wildkatzen nimmt zu - auch in Deutschland. Für das Wisent hat European Wildlife 2011 ein Programm mit dem Ziel gestartet, die Wildrinder in den Wäldern Zentraleuropas wieder heimisch werden zu lassen.

Wisente können drei Meter lang werden und rund eine Tonne wiegen - in Deutschland sollen bald wieder kleine Herden umherstreifen. Im südwestfälischen Rothaargebirge etwa soll eine Population von rund 25 Tieren entstehen. Eine Herde wird derzeit auf ihre Freilassung vorbereitet, die für Ende des Jahres geplant ist. Eine zweite soll in einem rund 20 Hektar großen Areal leben, in dem Besucher die Tiere beobachten können.

Viel weiter gediehen ist die Wiederansiedlung des Wolfes. "Hier leben derzeit 100 bis 120 Tiere, annähernd doppelt so viele wie 2010", schätzte Wildbiologe Norman Stier Anfang des Jahres. Die ersten Tiere waren vor mehr als einem Jahrzehnt aus Polen dauerhaft in die Lausitz eingewandert. 2011 habe es mit zwölf Würfen doppelt so viel Wolfsnachwuchs wie im Jahr davor gegeben, erläuterte Stier, der als Forstzoologe an der TU Dresden arbeitet. Ein historisches Ereignis hat die Rückkehr begünstigt: das Ende des Kalten Krieges - oft siedeln die Wölfe auf Truppenübungsplätzen.

Seit Ende 2011 leben Stier zufolge zwei der Raubtiere in Niedersachsen bei Munster. Auch im Westerwald wurde kürzlich ein Wolf gesichtet - nach Nabu-Angaben erstmals seit mehr als 100 Jahren in Rheinland-Pfalz. Lange streifte das Tier dort allerdings nicht umher: Es wurde von einem Jäger erschossen. In Nordbrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bilden sich Biologe Stier zufolge wahrscheinlich neue Rudel. Die meisten Wölfe leben bisher in Ostsachsen und im Süden Brandenburgs. Nicht alle freuen sich über die Rückkehr von Isegrim - aus Angst vor Angriffen und auch, weil die Räuber schon so manches Schaf oder Zuchtrentier erbeuteten. Landwirte warnen, es sei völlig unklar, wie viel Wolf das Land heute überhaupt noch vertrage. Wo es die Räuber schon länger wieder gebe - wie in der Lausitz - habe sich die Stimmung längst normalisiert, so Stier.

"Die Menschen gehen wie eh und je Pilze sammeln in den Wäldern, Kinder spielen an Wäldern." Auf wenig Widerstand stößt die Rückkehr eines anderen "Wilden": der Wildkatze. Wie viele derzeit hierzulande herumstreifen, weiß keiner genau. Einige Experten sprechen von 3000, andere von 6000 Tieren. Wildkatzen werden mehr als einen Meter lang und wiegen bis zu acht Kilogramm - und sind damit deutlich größer als Hauskatzen. Anders als diese leben sie meist als Einzelgänger. Wildkatzen ernähren sich vor allem von Mäusen, aber auch Kaninchen und Vögeln.

Zu Gesicht bekommt man die Katzen in freier Wildbahn nur selten. Straßen, aber auch weitläufige Äcker sind bei ihren Streifzügen oft unüberwindbare Hürden. Am Rande des Nationalparks Hainich in Thüringen wurde kürzlich ein Wildkatzendorf mit Beobachtungsplattform eröffnet. "Wir wollen die Katzen erlebbar machen", erklärte Burkhard Vogel vom Umweltverband BUND Thüringen kurz vor Öffnung des Parks. Das Wildkatzendorf liegt in direkter Nachbarschaft zum natürlichen Lebensraum der Tiere.

Auch der deutsche Luftraum wird von den "Wilden" zurückerobert - von Steinadler und Wanderfalke zum Beispiel oder auch dem mächtigen Seeadler. Rund 300 Paare des größten Greifvogels Mitteleuropas brüten allein in Mecklenburg-Vorpommern, heißt es in einem Bericht des dortigen Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie, der vor einigen Tagen vorgestellt wurde. Bundesweit gibt es dem BUND zufolge rund 600 Brutpaare. Ein großer Erfolg: Vor 100 Jahren waren die Seeadler in Deutschland fast ausgerottet.

Erst wurde den Vögeln die Bejagung, später der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit dem giftigen Wirkstoff DDT zum Verhängnis. Auch heute ist der Mensch für die meisten Todesfälle der mächtigen Adler verantwortlich: Am häufigsten seien Vergiftungen mit Blei aus Jagdmunition, hat das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin herausgefunden. Die Seeadler nehmen Splitter auf, wenn sie Wild fressen, das angeschossen wurde und verendete.

Die Liste zurückkehrender "Wilder" lässt sich fortsetzen - um kleinere Tiere wie Wildbiene, Lachs, Uhu und Biber, aber auch weitere Räuber wie den Luchs. Er war dem WWF zufolge ursprünglich über die gesamte gemäßigte Zone der nördlichen Hemisphäre und südlich bis in die Nordstaaten der USA, Spanien, den Balkan, Kaukasus und den Himalaja verbreitet. Der letzte deutsche Luchs sei 1850 in den bayerischen Alpen gestorben, heißt es beim WWF.