Unwetter

Rocker werden durch die Luft geschleudert

Gewitter mit Hagel, Regen und Sturm fegen über Deutschland hinweg

- Beim Heavy-Metal-Festival "With Full Force" im nordsächsischen Roitzschjora wurde der Name "Mit voller Kraft" plötzlich zum Programm. Die Besucher wurden von einem Gewitter überrascht und suchten unter einer Cocktail-Bar Zuflucht. Doch das erwies sich als schlechte Idee. Denn genau dort schlug der Blitze ein und wurde über metallene Pfähle, Bänke und Befestigungsschnüre weitergeleitet. Einige Rocker wurden von dem starken Stromschlag sogar durch die Luft geschleudert.

Insgesamt wurden 51 Besucher des Festivals in der Nacht zum Sonntag verletzt, neun von ihnen sogar schwer. Die meisten wiesen sogenannte Stromeintrittsmarken auf, kleine Wunden und Prellungen. Viele klagten über Herzschmerzen. Zwar besteht für niemanden Lebensgefahr. Dennoch lagen am Sonntag drei Verletzte noch auf der Intensivstation.

Weite Teile Deutschlands wurden am Wochenende von schweren Gewitterstürmen heimgesucht. Zahlreiche Menschen wurden dabei durch herabstürzende Äste oder herumfliegende Gegenstände verletzt. Nach dem Blitzeinschlag am Freitag auf einem Golfplatz im hessischen Waldeck mit drei Toten schwebt eine vierte Frau weiter in Lebensgefahr. Der Zustand der 50-Jährigen sei nach wie vor kritisch, sagte ein Polizeisprecher.

In mehreren Bundesländern richteten Starkregen oder Orkanböen große Sachschäden an. Durch umgestürzte Bäume und beschädigte Oberleitungen wurde der Bahnverkehr in manchen Regionen zeitweise lahmgelegt. Besonders hart traf es den Süden Deutschlands. In Baden-Württemberg wurden 38 Menschen verletzt, 11 von ihnen schwer. Bäume und Masten stürzten auf Straßen und Gleise und blockierten den Verkehr. Viele Bahnverbindungen, unter anderem zwischen Ellwangen und Crailsheim, blieben zeitweise gesperrt. Gleichzeitig führten die Blitze zu Stromausfällen.

Am Bodensee blies der Wind in Orkanstärke. Im Kreis Ludwigsburg richteten bis zu vier Zentimeter dicke Hagelkörner teils verheerenden Schaden an. Darunter leiden vor allem die Bauern, denen der Hagel die Ernte auf den Feldern zerstört hat. Rettungskräfte mussten zu Tausenden Einsätzen ausrücken. Die Aufräumarbeiten werden wohl noch Tage dauern und der Schaden in die Millionenhöhe gehen.

In Bayern starb am Samstagabend eine 24-jährige Autofahrerin, nachdem ein entwurzelter Baum auf ihren Wagen stürzte. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, vielerorts standen Keller unter Wasser, Straßen und Gleise waren durch umgestürzte Bäume blockiert. Auch Dächer und Autos wurden beschädigt. Blitze setzten mehrere Dachstühle in Brand.

Auch über Teile Sachsens zogen in der Nacht zum Sonntag schwere Gewitter hinweg. Vor allem im Erzgebirge, im Vogtland und der Region Zwickau/Werdau hatten Rettungskräfte viel zu tun. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. In Auerbach musste ein Festzelt geräumt werden, das durch den Wind aus seiner Verankerung zu reißen drohte. In Oelsnitz im Vogtland wurde eine Bundesstraße wegen Überflutung zeitweise gesperrt.

Von dem heftigen Unwetter war auch Thüringen betroffen. Dort musste die Feuerwehr wegen zahlreicher umgestürzter Bäume ausrücken. In Sachsen-Anhalt wurden Straßen überflutet und Kanaldeckel herausgespült.