Gewitternacht

Berliner Donnerwetter

Gewitternacht: Unwetter toben über Deutschland. Allein in Berlin blitzt es 8135 Mal - bei der Feuerwehr herrscht Ausnahmezustand

- Hunderte Berliner hatten in der Nacht zu Sonntag unter den Ausläufern des Tiefdruckgebiets "Lisa" zu leiden. Bereits in der Nacht zum Sonnabend hatte ein heftiges Gewitter Sturmschäden in Millionenhöhe verursacht. Nun war es der Starkregen, der die Berliner Feuerwehr in den Ausnahmezustand versetzte. Mehr als 260 Mal mussten die Rettungskräfte zwischen drei und sieben Uhr ausrücken. Das waren mehr als doppelt so viele Einsätze wie in der Nacht zuvor, in der das Unwetter vor allem im Norden der Stadt wütete. Meteorologen führten das heftige Gewitter unter anderem auf die Überhitzung der Stadt zurück, wie Gerd Saalfrank vom Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam sagte.

Aus der Fassung gespült

Dieses Mal betraf das Gewitter vor allem den Osten und Südosten Berlins. In den allermeisten Fällen waren Keller vollgelaufen, Wohnungen und Häuser überschwemmt und Gullys aus ihren Fassungen gespült worden. Verletzte hat es nach Angaben der Feuerwehr nicht gegeben. Allein in Marzahn fielen in der Nacht stellenweise 23 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde, berichtete der DWD. In Dahlem wurden 22 Liter gemessen.

Bei Thomas Waga begann es mit ein paar Tropfen, die von der Decke fielen. Der 28-Jährige wachte auf und blickte nach oben. "Plötzlich bröckelte der Putz von der Decke, und ein ganzer Wasserschwall ergoss sich über mich", sagt der Erzieher aus Britz nach einer schlaflosen Nacht. Waga blieb nichts anderes übrig, als den Notdienst seiner Hausverwaltung zu rufen und ins Wohnzimmer umzuziehen. Der Mitarbeiter sei über das Ausmaß des Schadens sichtlich überrascht gewesen. "Er sagte, dass er schon einiges gesehen hätte. Aber bei mir sei es mit Abstand das Schlimmste", so Waga. Die Verwaltung stellte einen Trockner in die Wohnung, um die drohende Schimmelbildung etwas einzudämmen. Mehr konnte sie allerdings auch nicht tun. In seiner Wohnung wird Thomas Waga nun nicht mehr bleiben können.

Dramatische Folgen

Neben überschwemmten Wohnungen und Häusern führten die Regenmassen auch zu zahlreichen Straßensperrungen. So musste der Verkehr auf der Stadtautobahn zwischen Alboinstraße und Innsbrucker Platz ab vier Uhr für mehr als fünf Stunden unterbrochen werden. Der Regen hatte die Fahrbahn überschwemmt und Sand aufgespült. "Für die Aufräumarbeiten wurde der Abschnitt dann gesperrt", sagte ein Polizeisprecher. Auch der Sachsendamm war für mehrere Stunden teilweise nicht zu befahren. Unter der S-Bahn-Brücke in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Südkreuz stand das Wasser zwischenzeitlich bis zu eineinhalb Meter hoch. Deshalb sperrte die Polizei den Bereich ab kurz nach drei Uhr. In Schöneberg war nach Angaben der Polizei der Verkehr am Prellerweg zwischen Arnulfstraße und Sembritzkistraße für knapp zwei Stunden zum Erliegen gekommen. Auch hier war wegen sintflutartiger Regenfälle die Fahrbahn überschwemmt worden. Ein Taxi, das im Wasser stecken geblieben war, konnte von der Feuerwehr geborgen werden.

Dramatische Folgen hatten auch die ungewöhnlich vielen Blitze - insgesamt zählte der DWD zwischen 22 Uhr und 4 Uhr 8135 Blitze in Berlin und dem nahen Umland. Gegen kurz nach drei Uhr schlug ein Blitz in ein Zweifamilienhaus am Marienhöher Weg in Tempelhof ein. Das Dach fing sofort Feuer und brannte auf einer Fläche von 100 Quadratmetern komplett aus. Die Feuerwehr, die mit 42 Mann im Einsatz war, konnte auch nicht verhindern, dass die Flammen auf das Nebengebäude übergriffen und es beschädigten. Zwar wurde glücklicherweise niemand verletzt. "Durch das Löschwasser wird das Haus jedoch in Zukunft unbewohnbar sein", sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke.

Eine halbe Stunde später schlug ein weiterer Blitz in ein Haus in Karlshorst ein. Auch hier fing der Dachstuhl Feuer, der Brand konnte jedoch innerhalb von wenigen Minuten gelöscht werden, teilte die Feuerwehr mit. Im Vergleich zur Nacht zu Sonnabend hielten sich die Sturmschäden in Grenzen. Lediglich zu fünf umgestürzten Bäumen und drei losgerissenen Bauteilen musste die Feuerwehr ausrücken. Weit mehr Probleme bereiteten viele Brandmelder in Gewerbegebieten, die Fehlalarme auslösten. Da die Melder direkt mit der Feuerwehr verbunden sind, mussten die Einsatzkräfte mehr als 30 Mal ausrücken, nur um festzustellen, dass sie umsonst gekommen waren.

Die Schäden sind zu groß

Nach dem Unwetter beginnen für viele Berliner nun die Aufräumarbeiten. Auch für Thomas Waga. Er wird aus seiner Dreizimmerwohnung ausziehen müssen, so viel ist klar. Die Schäden, das kann der 28-Jährige einschätzen, sind zu groß. Wer dafür aufkommen wird, ist noch ungewiss. Nur eine weitere Nacht will er im Wohnzimmer seiner beschädigten Wohnung übernachten. Danach, das steht fest, wird er vorübergehend zu seinen Eltern ziehen. "Die werden sich bestimmt freuen", lacht er.