Interview mit Linda Jäckel

"Suchen Sie sich eine Mulde und legen sie sich hinein"

- Linda Jäckel ist Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. Wieso uns die heftigen Gewitter noch eine Weile erhalten bleiben, erklärt sie im Gespräch mit Viktoria Solms.

Berliner Morgenpost:

Frau Jäckel, was ist am Himmel über Berlin los?

Linda Jäckel:

Schwülwarme Luft aus Osten prallt mit kühler und trockener Luft aus Westen zusammen. Dadurch entstehen diese heftigen Gewitter.

Wie lange hält das noch an?

Das kann noch ein paar Tage weitergehen, da wir es mit einer wellenden Front zu tun haben. Sie kehrt immer wieder zu uns zurück und bringt neue Gewitter.

Wie kommt das zustande?

Normalerweise zieht ein Tiefdruckgebiet von Westen nach Osten über uns hinweg. Doch nun hat sich über der Nordsee und den Alpen jeweils ein Tief gebildet. Beide drehen sich gegen den Uhrzeigersinn und verkeilen sich dabei ineinander. Dadurch kommen die Luftmassen nicht richtig vorwärts, und die Gewitterfront kommt immer wieder aus Osten zu uns zurück.

Wie viele Blitze gehen dabei über Berlin und Brandenburg nieder?

Allein in Berlin waren es in der Nacht von Samstag auf Sonntag etwa 8000 Blitze. Nimmt man Brandenburg dazu, waren es sogar etwa 90.000.

Wie misst man einen Blitz?

Das macht eine Firma, die in ganz Deutschland Messgeräte aufgestellt hat. Dadurch erfassen sie die Spannung in der Luft und zählen auf diese Weise die Blitze.

Einige Berliner haben sich nachts vor dem Gewitter ziemlich erschreckt.

Dabei ist solch ein Gewitter im Sommer überhaupt nichts Außergewöhnliches und für diese Jahreszeit völlig normal.

Wie schützen sich die Menschen am besten vor einem Blitzschlag?

Sie sollten sich vor einem Spaziergang noch einmal im Radio oder im Internet darüber informieren, ob ein Gewitter droht und dann lieber zu Hause bleiben. Wer unterwegs ist, sollte sich in ein Auto setzen. Denn dort wird der Blitz auf alle Seiten des Fahrzeugs abgeleitet, und der Innenraum selbst bleibt spannungsfrei.

Was sollen Spaziergänger machen?

Am besten suchen sie sich eine Mulde und legen sich da hinein. Oder sie gehen auf Zehenspitzen in die Hocke. Sie müssen versuchen, mit so wenig Körperfläche wie möglich den Boden zu berühren, um die Wirkung des Blitzes zu verringern.

Gilt die alte Regel vom Sekundenzählen noch?

Ja, aber sie ist sehr ungenau. Der Schall legt in einer Sekunde etwa 340 Meter zurück. Wenn es gleichzeitig blitzt und donnert, ist das Gewitter direkt über einem und die Gefahr am größten.