Finanzmärkte

Notenbanken bereiten sich auf griechischen Albtraum vor

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Tina Kaiser, Tobias Kaiser und Dorothea Siems

Die Zentralbanken wichtiger Volkswirtschaften stehen bereit, falls die Ergebnisse der griechischen Parlamentswahl für Tumulte an den Märkten sorgen sollten.

- Die Notenbanken haben sich offenbar auf eine koordinierte Aktion vorbereitet, um notfalls das Finanzsystem mit Milliarden von Euro, Dollar und Yen zu fluten. Die zusätzliche Liquidität soll eine Kreditklemme verhindern und die Finanzmärkte stützen. EZB-Chef Mario Draghi sagte in Frankfurt am Main: "Das Euro-System wird weiter Liquidität an kreditwürdige Banken bereitstellen, wenn das notwendig ist." Sein japanischer Kollege Masaaki Shirakawa sagte, die Notenbanken hielten engen Kontakt.

Auch die Politik bereitet sich offenbar auf den Ernstfall vor, auch wenn die Bundesregierung das nicht bestätigen wollte. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa hat ihren Flug am Sonntag zum G-20-Gipfel in Mexiko um zwölf Stunden verschoben. Für Sonntagabend werden die ersten Ergebnisse aus Athen erwartet, die Euro-Krise dürfte das beherrschende Thema auf dem Gipfel werden. Laut Regierungssprecher Seibert habe die Verschiebung allerdings "biorhythmische Gründe".

Finanzmärkte reagieren positiv

Großbritannien hat bereits erste Schritte unternommen, um die ohnehin geschwächte Wirtschaft weiter zu stützen. Die Bank of England und die Regierung wollen mit einem Notfallplan Banken gegen eine verschärfte Euro-Schuldenkrise abschirmen. Insgesamt 100 Milliarden Pfund (123 Milliarden Euro) umfasst die Finanzspritze, die Schatzkanzler George Osborne und Notenbankchef Mervyn King am Donnerstagabend vorstellten. Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Pläne der Notenbanken: An der Wall Street, in Frankfurt, London und anderen europäischen Handelsplätzen erholten sich die Kurse. Der Euro-Kurs erholte sich ebenfalls.

In den Prognosen vor der griechischen Wahl zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Nea Dimokratia (ND) und der linksradikalen Syriza ab. Ein Sieg von ND dürfte für Erleichterung in den europäischen Hauptstädten und an den Finanzmärkten sorgen. Eine Regierungskoalition mit der etablierten sozialistischen Pasok-Partei wäre dann möglich - beide Parteien unterstützen den eingeschlagenen Reformkurs, wollen das Land im Euro halten und standen bisher zu den Verpflichtungen gegenüber den europäischen Partnern. Syriza-Spitzenkandidat Alexis Tsipras hat hingegen angekündigt, die Sparauflagen der europäischen Geldgeber nicht einzuhalten.

Die Bundesregierung sowie die EU-Kommission vermittelten deshalb den Eindruck, die griechischen Wähler entschieden an diesem Wochenende über ihren Verbleib in der Währungsunion. Bei einer Aufkündigung des Schuldenmemorandums müsse das Land den Euro zurückgeben, lautet die Warnung in Richtung Athen. Dem widerspricht der Chef des Centrums für Europäische Politik, Lüder Gerken. Griechenland drohe selbst bei einer Aufkündigung seines Sparprogramms durch eine neue Regierung kein Rausschmiss aus dem Euro, sagte Gerken zur Morgenpost. Da juristisch der Ausschluss überhaupt nicht möglich sei, gebe es nur die Möglichkeit, dass die Griechen freiwillig austreten. Weil das Land aber notfalls selbst Euro-Geld drucken dürfe, hätten die anderen Mitgliedsstaaten keinerlei Möglichkeit, Hellas den Geldhahn abzudrehen und auf diesem Weg zum Austritt aus der Union zu zwingen.