Interview

"Es kann nicht schaden, dass das Lab neue Fragen stellt"

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Die Berliner Stadtforscherin und Architektin Johanna Schlaack (32) ist Mitbegründerin der Stadtentwicklungsinitiative "Think Berl!n". Seit 2008 promoviert sie zum Thema "Flughäfen als Impulsgeber für Metropolregionen", worüber sie auch im Guggenheim Lab einen Vortrag halten wird. Mit ihr sprach Jule Bleyer.

Berliner Morgenpost:

Frau Schlaack, das Guggenheim Lab bietet beispielsweise eine Radtour mit Picknick, das Basteln solarbetriebener Kaffeeröster und das Experimentieren mit Hitzedrahtschneidern. Wie kann so ein Programm die Stadt verändern?

Johanna Schlaack:

Ich denke, dass es wichtig ist, die Menschen überhaupt für ihre Stadt zu interessieren, auch, wenn man sie dazu mit neuartigen Angeboten abholt. Allerdings weiß ich nicht, ob es gelingen wird, auch die breite Masse jenseits von Prenzlauer Berg und Berlins Mitte zu interessieren, und nicht bloß die, die eh schon immer mit am Tisch sitzen. Es wird interessant, ob die Macher das schaffen.

Braucht Berlin, das als ganze Stadt ohnehin schon als Labor gilt, denn dafür ein Guggenheim Lab?

Brauchen ist das falsche Wort, wirklich brauchen tut Berlin es nicht. Aber es kann nicht schaden, wenn es als eine Art Ufo von außen landet und neue Fragen stellt.

Welche Fragen und Themen hätten Sie gerne mit auf die Agenda des Labs gesetzt?

Ich hätte gerne die Planungen für die Nachnutzung der Flughäfen Tempelhof und Tegel diskutiert. Eine spannende Frage ist zudem, wie wir der zunehmenden Spaltung zwischen Innen- und Außenstadt begegnen wollen: Die Themen Verdrängung und Mieten sind weiterhin aktuell. Auch die Anpassung an den Klimawandel muss in Berlin stärker diskutiert werden. Wie können wir Nachhaltigkeitsstadt werden? Wie vermeiden wir ein wirtschaftliches Nord-Süd-Gefälle? Das wären spannende Fragen, die man in dem Lab als relativ unabhängigem Forum, das wie gesagt von außen kommt, diskutieren könnte - ohne die sonst teilweise verhärteten Berliner Fronten.

Sind die Macher für solche Themenvorschläge offen?

Das Gefühl habe ich schon, zumindest kann man den Machern nicht vorwerfen, dass sie nicht zuhören würden. Aber natürlich steckt auch eine Politik von Guggenheim und BMW dahinter, dass bestimmte Themen auf die Agenda kommen sollen. Und seit den Protesten sind die Verantwortlichen auch etwas vorsichtiger und unsicherer bei der Themenauswahl geworden.

War der Protest der Kreuzberger Lab-Gegner eigentlich noch zeitgemäß?

Der Protest passt in unsere Zeit, weil Menschen immer noch aus ihren Kiezen verdrängt werden. Es ist fast schön, dass das Lab diese Debatte erneut entfacht hat. So hat es etwas Gutes erreicht - auch wenn das vorher anders gedacht war.

Werden Sie das Guggenheim Lab unabhängig von Ihrem Vortrag besuchen?

Wenn es die Zeit zulässt, dann ja. Ich werde das Programm sicher nicht flächendeckend nutzen, aber mir bestimmte Teile raussuchen. Man kann ja gerne Kritik üben, aber sich dem gesamten Projekt zu verwehren ist schließlich auch kein Zeichen von Toleranz.