Benzinpreise

Kraftstoff könnte in den nächsten Monaten billiger werden

Den Sommerferien können Autoreisende recht gelassen entgegensehen. Darin kann man einen, wenn nicht den einzigen Vorteil der europäischen Währungskrise sehen.

- Die Euro-Turbulenzen trüben die Konjunkturaussichten ein und drücken damit Nachfrage und Preis des Benzinrohstoffs Erdöl. Bis zum Ferienbeginn dürfte sich dieser Trend eher noch verstärken.

Derzeit kostet ein Liter Superbenzin (E5) rund 1,60 Euro. Allerdings, und auch da kommt die Euro-Krise wieder ins Spiel, könnte der Preis noch viel stärker fallen. Das wiederum verhindert der schwache Euro, der zum Dollar an Wert eingebüßt hat. Da Rohöl jedoch in der amerikanischen Währung gehandelt wird, sind die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone beim Rohöleinkauf benachteiligt. Derzeit ist ein Dollar 1,25 Euro wert. Noch Anfang Mai kostete ein Dollar mehr als 1,30 Euro. Verschärft sich die Euro-Krise, dann dürften beide Effekt weiterhin zu Beobachten sein: ein Rückgang der Ölnotierungen und ein schwächerer Euro-Kurs. Übersetzt auf die Preisentwicklung beim Tanken heißt das: Der Kraftstoff könnte sich weiter leicht verbilligen.

Allerdings hat die Unternehmensstruktur auf dem Tankstellenmarkt auch Einfluss auf die Preise. Das Bundeskartellamt stellte in seiner "Sektoruntersuchung Kraftstoffe" vor einem Jahr fest, dass es in Deutschland nur selten zu "aggressiven Preiskämpfen" an den Zapfsäulen kommt. Als Grund benennen die Wettbewerbshüter das Oligopol der Mineralölkonzerne BP (Aral), ConocoPhillips (Jet), ExxonMobil (Esso), Shell und Total. Konkret sieht das Kartellamt auf "regionalen Tankstellenmärkten ein marktbeherrschendes Oligopol". Fast 65 Prozent des deutschen Absatzes von Kraftstoffen geht im Wortsinn auf das Konto jener fünf Unternehmen. Allerdings reichen die Hinweise nicht für ein Verfahren aus.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat einen Gesetzentwurf für eine sogenannte Markttransparenzstelle ausarbeiten lassen. Demnach müssen die Betreiber der Tankstellen sowohl ihre aktuellen Endpreise an den Zapfsäulen melden als auch ihre Einkaufspreise. Zudem gibt es Forderungen der Wirtschaftsminister aus den Ländern, die Zahl der täglichen Preisänderungen an der Tankstelle zu begrenzen.

Zum Schutz von Mittelständlern auf dem Kraftstoffmarkt gibt es bereits Regelungen. So müssen große Unternehmen mit Raffinerien und Tankstellennetz eine Preisuntergrenze beachten. Sie dürfen an ihren Zapfstationen nie billiger verkaufen als zu jenem Einkaufspreis, den sie dem mittelständischen Großhändler gezahlt haben. Diese Regelung war 2007 bestimmt worden, nachdem es eine Zeit lang fast ruinöse Preiskämpfe gegeben hatte, worunter vor allem unabhängige Tankstellen litten.