Interview mit Gesundheitsexperte

"Der Patient ist in der schwächsten Position"

Kein Patient möchte an ein Krankenhaus überwiesen werden, nur weil sein Arzt dafür eine Prämie kassiert.

Doch wie kann man diesen Deal durchschauen und sich wehren? Christoph Kranich, Gesundheitsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg, beschäftigt sich schon länger mit dieser Frage - die Antworten sind allerdings ernüchternd. Mit ihm sprach Jule Bleyer.

Berliner Morgenpost:

Herr Kranich, was kann ich als Patient tun, wenn ich Zweifel habe, dass mein Arzt mich an die fachlich beste Klinik überweist?

Christoph Kranich:

Ich kann nach dem sachlichen Grund für die Auswahl fragen. An der Wortwahl 'sachlicher Grund' kann der Arzt erkennen, dass ich auch nicht sachliche Gründe für möglich halte. Das Problem daran: Der Arzt wird mir wohl immer auch sachliche Gründe nennen können, egal welche Motive er verfolgt. Es ist also die Frage, ob ich ihm glaube.

Gibt es denn Formulierungen, die mich als Patient stutzig machen sollten?

Derartige Geheimcodes sind mir leider nicht bekannt.

Wie kann ich sonst hinter die Motive meines Arztes kommen?

Das wird leider kaum gelingen. Natürlich kann ich meinen Arzt direkt fragen, ob er für die Vermittlung ein Honorar bekommt - aber davon würde ich abraten. Zum einen, weil es immer das Vertrauensverhältnis zu dem Arzt belastet. Und zum anderen, weil der Arzt eine solche Frage wohl nie bejahen würde. Denn grundsätzlich ist es illegal, sich an der Zuweisung von Patienten zu bereichern oder dafür Vorteile zu gewähren. Patienten werden also kaum herausfinden, ob der Arzt mich nur überweist, weil er dafür Geld bekommt oder mit dem Klinikchef golfen geht.

Ich bin dem Arzt also hilflos ausgeliefert?

Im Grunde ist das leider so. Das Gesundheitswesen wird nach wirtschaftlichen Gründen organisiert. Keiner darf sich der Illusion hingeben, es ginge nur um Medizin. Selbst im Nachhinein können Patienten kaum nachweisen, dass eine andere Klinik den Eingriff hätte besser machen können. Der Patient ist in der schwächsten Position.

Ich kann mich aber selbst über die empfohlene Klinik informieren.

Ja, auch wenn es auch dabei keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Wir empfehlen aber die "Weisse Liste", ein Krankenhaussuchportal der Bertelsmann-Stiftung und der Krankenkassen. Dort findet man Bewertungen, die aus den Qualitätsberichten der Krankenhäuser hervorgehen und die auch extern kontrolliert werden. Auf der Seite Qualitätskliniken.de gibt es weitere Infos zumindest von einer Teilgruppe der Krankenhäuser. Bewertungen von Patienten über niedergelassene Ärzte gibt es zum Beispiel auf Docinsider.de und Jameda.de. In den kommenden Wochen werden wir als Verbraucherzentrale auch einen neuen Test über Such- und Bewertungsportale von Kliniken und Ärzten veröffentlichen.

Ist es sinnvoll, sich selbst eine Klinik zu suchen?

Das ist sinnvoll, wenn Sie Zeit haben, etwa vor einer größeren Operation, die nicht allzu dringend ist. Aber als Kassenpatient haben Sie nur eine begrenzte Wahl. Die Klinik muss einen Vertrag mit der Krankenkasse haben und bereit sein, mich aufzunehmen. Dazu ist sie nur in Notfällen verpflichtet.