Chronik

Flughafen BER: Fast zehn Monate soll es jetzt noch dauern – die Menschen in Berlin können es nicht fassen.

Aber wer ist für das Desaster verantwortlich? Der Aufsichtsrat um Klaus Wowereit hat einen Schuldigen gefunden: die Planungsgemeinschaft

Unnützes Land

1992 Östlich von Schönefeld kaufen die Flughafenbetreiber Anfang der 90er-Jahre 109 Hektar Land. 200 Millionen Euro fließen. Später wird klar, dass das Land nicht benötigt wird.

Umstrittener Konsens

Juni 1996 Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe entscheiden sich im "Konsensbeschluss" für den Ausbau des Flughafens Schönefeld.

Vergessene Dörfer

Juni 2000 Bei der Auslegung zum Planfeststellungsverfahren werden 16 Gemeinden schlicht "vergessen": Die Folge sind vier Monate Zeitverzögerung.

Anwohner klagen

2005 Tausende Flughafengegner reichen Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein. Das Gericht stoppt den Bau. Im März 2006 gibt das Gericht den Bau mit verschärften Lärmschutzauflagen frei. Eröffnung soll im Oktober 2011 sein.

Alles auf Anfang

Oktober 2007 Der Bau des Terminals muss neu ausgeschrieben werden. Die Baukosten liegen über dem Etat von 630 Millionen Euro.

Eröffnung geplatzt

Februar 2010 Weitere Verzögerungen und zusätzliche Kosten gibt es, als ein Planungsbüro in die Insolvenz geht. Ein neuer Eröffnungstermin wird festgesetzt: Nun soll es der 3. Juni 2012 sein.

Proteste und Klagen

2010 Die Deutsche Flugsicherung legt den ersten Flugroutenplan vor. Er weicht deutlich von den ursprünglichen Planungen ab und löst eine Flut von Protesten und Klagen aus. Tausende gehen gegen Fluglärm auf die Straße.

Die Krise droht

29. Februar 2012 Krisentreffen zwischen Flughafengesellschaft, Planern und Behörden. Zuvor hatte der TÜV Rheinland erklärt, dass eine Überprüfung der Brandschutzsysteme bis zum geplanten Eröffnungstermin am 3. Juni nicht möglich sein wird. Auch Vertreter der brandenburgischen Staatskanzlei nehmen an der Beratung teil.

Es wird eng

März 2012 Bereits im Probebetrieb am neuen Flughafen zeigt sich: Der Airport hat zu wenige Check-in-Schalter. Das Terminal soll um zwei Pavillons erweitert werden, vor der Eröffnung sollte mit Provisorien in Containern nachgebessert werden.

Optimismus mit Willy

Ende März 2012 Ungeachtet der vielen Probleme startet die Flughafengesellschaft die große Werbekampagne "Willy Brandt begrüßt die Welt". In der ganzen Stadt werden Großplakate aufgestellt, in 262 Kinos der Region läuft ein Kurzfilm. Zweifelnde Nachfragen zum Eröffnungstermin werden abgewiegelt.

Beteuerungen

20. April 2012 Der Aufsichtsrat tagt. Dort räumen die Flughafengeschäftsführer Baurückstände sowie Engpässe etwa bei den Check-in-Schaltern ein. Der Eröffnungstermin sei aber nicht gefährdet, wird versichert. Der Aufsichtsrat bewilligt 13 Millionen Euro für Zusatzarbeiten.

Nichts geht mehr

8. Mai 2012 Die Probleme beim Brandschutz werden nun eingeräumt. Die offizielle Inbetriebnahme des BER am 3. Juni platzt. Aufsichtsratschef Klaus Wowereit erklärt, die Eröffnung solle spätestens nach den Sommerferien im August nachgeholt werden.

Nächtliche Entscheidung

16. Mai 2012 Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft kommt erneut zusammen, tagt bis in die Nacht. Planer und Baufirmen sind zum Rapport einbestellt. Schnell wird deutlich: Die Brandschutzsysteme werden erst im Dezember fertig. Der Flughafen BER soll nun am 17. März eröffnet werden.