Hartmut Mehdorn

Air Berlin nennt Verzögerung "unerträglich"

Hartmut Mehdorn ist nicht bekannt dafür, ein Freund geschmeidiger Diplomatie zu sein.

Der ehemalige Chef der Deutschen Bahn und heutige Vorstandsvorsitzende von Air Berlin ist ein Mann klarer, bisweilen harter Worte. Trotzdem ist das, was er am Donnerstag zum Berliner Flughafendesaster zu sagen hatte, selbst für Mehdorns Verhältnisse ungewöhnlich drastisch. "Unerträglich" und "unakzeptabel" sei das alles, so der Air-Berlin-Chef.

Während die anderen großen Kunden des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld - Lufthansa und Easyjet - vergleichsweise gelassen auf die Verschiebung des Eröffnungstermins bis zum 17. März 2013 reagierten, sieht Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ihr gesamtes Geschäftsmodell für den Standort Berlin gefährdet.

Die Verschiebung treffe Air Berlin viel härter als alle anderen Airlines, die Berlin anfliegen, kritisierte Mehdorn am Donnerstag. Der Grund: Das wirtschaftlich zuletzt angeschlagene Unternehmen wollte am neuen Airport in Schönefeld ein völlig neues Drehkreuzkonzept mit kurzen Umsteigezeiten realisieren und seine Marktposition damit ausbauen. In täglich sechs Wellen - so die Planung - sollten die Air-Berlin-Flugzeuge sternförmig nach Berlin einfliegen, die Fluggäste in kurzer Zeit umsteigen und dann zu Zielen in der ganzen Welt weiterfliegen können.

"Stattdessen müssen wir weiter mit einem viel zu kleinen, für das Umsteigen völlig ungeeigneten Flughafen Tegel leben", kritisierte Mehdorn. Das Flugprogramm mit den geplanten Langstreckenzielen, die auch über den Winter angesteuert werden sollen, sei so kaum zu realisieren. Das Gleiche gelte für geplante zusätzliche Ziele in Übersee.

Airline fordert Schadenersatz

"Wir hätten mit sehr viel Bauchschmerzen eine Verschiebung der BER-Eröffnung auf Ende Oktober hingenommen", so der Air-Berlin-Chef. Auch das sei nur mit "erheblichem, nur schwer zu bewältigendem Mehraufwand" möglich gewesen. Die jüngste Entscheidung greife nun aber tief in die Geschäftstätigkeit der Airline ein. "Dies ist völlig unakzeptabel und fügt Berlin als Flughafendrehkreuz einen kaum mehr reparablen und deshalb unerträglichen Imageschaden zu."

Einen Schaden, den sich die Airline nötigenfalls mit viel Geld ersetzen lassen will. Mehdorn hatte bereits am Dienstag gefordert, dass der Flughafen alle Mehrkosten trage. "Wir werden diese Kosten nicht übernehmen", sagte er. Für Air Berlin und andere Fluggesellschaften entstünden durch die veränderte Logistik Mehrkosten an vielen Stellen. Air Berlin wolle sich bald Klarheit über deren Höhe verschaffen und dann mit dem Flughafenbetreiber über Schadenersatz sprechen, hatte er angekündigt. Nun hat das Unternehmen für kommenden Dienstag zu einer Pressekonferenz eingeladen, um über das weitere Vorgehen zu informieren.

Die Lufthansa, die sich zuletzt ebenfalls für eine BER-Eröffnung zum Start des Winterflugplans Ende Oktober ausgesprochen hatte, trägt die Terminverschiebung hingegen offenbar mit. "Wir haben von Beginn an darauf hingewiesen, dass die Eröffnung des Flughafens erst dann sinnvoll ist, wenn ein stabiler und sicherer Flugbetrieb möglich ist", sagte Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner am Donnerstag. "Wenn das erst im März 2013 gewährleistet ist, ist die Verzögerung zwar bedauerlich, aber richtig." Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr hatte erst vor wenigen Tagen im Interview mit der Berliner Morgenpost bekräftigt, dass die Airline ungeachtet der Verschiebung alle angekündigten Flüge ab Berlin anbieten wolle.

Auch Easyjet hatte sich für einen Termin nach Abschluss des Sommerflugplans starkgemacht. Deutschlandchef Thomas Haagensen zeigte sich am Donnerstag dennoch erfreut, dass mit dem neuen Termin für Klarheit gesorgt sei. "Wir freuen uns auf den neuen Großflughafen BER in 2013 und werden jetzt warten, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind."