Manfred Körtgen

Experte mit Kommunikationsproblemen

Manfred Körtgen war für den Bau verantwortlich - nun muss der Technikchef gehen

Es ist ein zentraler Satz in der Doktorarbeit von Manfred Körtgen, und er klingt zunächst kompliziert: "Beim Versuch, komplexe Baumaßnahmen in ihrer Abwicklung zu optimieren, ist die Realisierung eines durchgängigen Informationsflusses unabdingbar, wobei mit steigender Zahl der Partner und somit der unterschiedlichen Interessen in der Prozesskette das Optimierungspotential entsprechend größer wird." Der Satz bedeutet, dass Kommunikation sehr schwierig ist, wenn wahnsinnig viele Menschen an einem Projekt arbeiten. Am Projekt Flughafen BER ist Körtgen vorerst gescheitert.

Für die 200 Seiten starke Doktorarbeit über die Optimierung komplexer Baumaßnahmen bekam er von der Uni Kassel ein "sehr gut". Für sein Herzensprojekt aber bekam er jetzt das Aus. Der 59-Jährige muss seinen Job aufgeben, als Mitschuldiger für das Desaster der verschobenen Eröffnung. Dass der Ton in Berlin rauer ist als an früheren Baustellen in Heidelberg und Düsseldorf, merkte der Architekt aus dem Rheinland schnell. "Nicht gemeckert ist das größte Lob, das man hier bekommen kann", sagte er vergangenes Jahr bei einem Rundgang über die Baustelle.

Beste Referenzen

Jetzt aber wurde nur noch geschimpft, auch über ihn, weil er als einer der Hauptverantwortlichen auf der Großbaustelle zu spät kommunizierte, dass sich die Fertigstellung des Airports verzögert. Peinlich und kostspielig für die Hauptstadt.

Dabei hatte der Manager in der Tat die besten Referenzen: Er hat diverse Symposien zum Thema Projektmanagement geleitet, ein Buch dazu veröffentlicht und ist seit 2008 Mitglied des Direktoriums im Flughafenverband ADV. Bei öffentlichen Auftritten fiel er stets durch seine sachliche, zurückhaltende und besonnene Art auf - auch wenn er sich nicht, wie sein Kollege Rainer Schwarz, für die Verzögerung entschuldigte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) fand deshalb auch nur wenige Worte für ihn: Körtgen habe eine große Leistung vollbracht - habe aber auch Probleme, "die Dinge rechtzeitig zu erkennen". Es heißt, Körtgen sei Hobbypianist. 88 Tasten, 52 weiße und 36 schwarze. Übersichtlich, könnte man sagen.