Geschichte der RAF

Von West-Berlin bis zum "Deutschen Herbst"

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Die Geschichte der RAF ist eng mit der Hauptstadt verknüpft

- Der deutsche Linksterrorismus beginnt mit dem Auseinanderbrechen der Studentenbewegung und der "Außerparlamentarischen Opposition" im Frühjahr 1969 in West-Berlin. Ein kleiner Teil der Aktivisten radikalisiert sich. Der erste große Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus misslingt. Die Befreiung von Andreas Baader am 14. Mai 1970 glückt. Die Journalistin Ulrike Meinhof hat erreicht, dass der Gefangene mit ihr Literatur im Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen auswerten darf - angeblich für ein Buchprojekt. In Wirklichkeit geht es darum, den 27-Jährigen zu befreien. Seine Freundin Gudrun Ensslin und mehrere Mittäter stürmen das Institut, schießen einen Bibliothekar nieder und flüchten mit Baader. Auch Meinhof verschwindet.

Nun ist West-Berlin die wichtigste Basis für die Rote Armee Fraktion. Mit Billigung der Stasi können Baader und Genossen in den Nahen Osten fliegen und wieder zurückkommen. Mehrere Banküberfälle verschaffen der Gruppe Geld. Nach der Verhaftung des ehemaligen Anwalts Horst Mahler im Oktober 1970 erscheint der RAF West-Berlin zu gefährlich. Per Transit reisen sie in die Bundesrepublik. In West-Berlin bleibt eine Zelle um die 21-jährige Brigitte Mohnhaupt.

Unabhängig von der eher aus Studenten bestehenden RAF ist zeitgleich die Terrorgruppe Bewegung 2. Juni entstanden, die sich überwiegend aus West-Berliner Arbeiterkindern zusammensetzt. Dazu gehört auch fast von Anfang an Verena Becker. Diese Gruppe verübt am 2. Februar 1972 einen Bombenanschlag auf den Britischen Yacht-Club, bei dem ein Mensch stirbt. Becker und andere werden wenig später festgenommen.

Die RAF hat im Mai 1972 ihre erste Terrorwelle gegen die Bundesrepublik gestartet, mit sechs Anschlägen in zwei Wochen, bei denen vier Menschen sterben und mehr als 30 zum Teil schwer verletzt werden. Im Juni 1972 verhaftet die Polizei die "erste Generation" der RAF, darunter auch Mohnhaupt.

Am 9. November 1974 stirbt der Terrorist Holger Meins nach einem Hungerstreik, die Bewegung 2. Juni ermordet als "Vergeltung" West-Berlins obersten Richter Günther von Drenkmann. Vier Monate später entführt die Gruppe West-Berlins CDU-Chef Peter Lorenz, um die Inhaftierten freizupressen - darunter Becker. Sie schließt sich der RAF an.

Der Versuch der RAF, Baader, Meinhof, Ensslin und andere durch eine Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Stockholm freizupressen, misslingt. Geführt von der inzwischen freigelassenen Mohnhaupt plant die "zweite Generation" der RAF für 1977 eine Terrorwelle. Am 7. April wird Chefankläger Siegfried Buback ermordet. Im "Deutschen Herbst" sterben fast ein Dutzend Unschuldige und mehrere Linksextremisten. Am 5. September entführt die RAF Arbeitsgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, um Baader und Konsorten freizupressen. Zudem bringt ein palästinensisches Terrorkommando die Lufthansa-Maschine "Landshut" in seine Gewalt. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gibt nicht nach und lässt die Maschine stürmen. Die Terroristen ermorden Schleyer, die gefangene RAF-Führung wählt den Freitod.

( sfk )