Stiftungen

"Der Spender ist dein Freund. Behandle ihn auch so"

Viele wollen Gutes tun, aber wissen erst einmal nicht genau, wie sie das anstellen sollen. Für sie gibt es Anlaufstellen zur Beratung

- Geld und Freundschaften sollte man besser trennen. Dieses alte Sprichwort hat sich schon oft bewährt. Nur nicht im Stiftungswesen. Hier empfiehlt Frauke Frodl von der Björn-Schulz-Stiftung genau das Gegenteil. "Behandle deinen Spender wie deinen Freund", sagt sie. Und Frauke Frodl, die Sprecherin der Stiftung, muss es schließlich wissen. Denn die Björn-Schulz-Stiftung ist im Gegensatz zu manch anderen Organisationen recht gut durch die jüngste Wirtschaftskrise gekommen. "Wir konnten unsere Einnahmen glücklicherweise konstant auf dem Niveau halten", sagt Frauke Frodl.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa den USA haben die Deutschen noch immer recht wenig Erfahrungen mit Stiftungen. Daran hat auch der jüngste Gründungsboom nicht wirklich etwas geändert. Verwirrung gibt es auf beiden Seiten. Sowohl bei denjenigen, die gerne etwas spenden wollen, aber nicht so genau wissen, wie seriös das eine oder andere Angebot wirklich ist. Aber auch auf der Seite derjenigen, die gern eine Stiftung gründen würden und dabei sichergehen wollen, dass das gesammelte und eingesetzte Geld tatsächlich seinen guten Zweck erfüllt.

Denn gerade Letzteres wird allzu oft ignoriert. Das zeigt sich regelmäßig bei Naturkatastrophen.

Gerade kleine Hilfsorganisationen und Spender wollen dann am liebsten Krankenhäuser und Kinderheime bauen, also Einrichtungen, bei denen man ein präsentables Ergebnis sehen kann. Doch genauso wichtig wäre es, die zerstörten Straßen und Brücken wieder aufzubauen, damit die Hilfe auch tatsächlich zu den Betroffenen durchkommt. Diese Aufgabe wollen kleinere Organisationen dann oft nur ungern übernehmen.

Um Klarheit in das Durcheinander von Stiften und Spenden zu bringen, hat Felicitas von Peter das Unternehmen Beyond Philanthropy gegründet. Sie berät dabei Kunden, die mit ihrem Vermögen gerne etwas Gutes tun möchten, aber unsicher sind, wie sie das Geld am besten einsetzen sollen. Gemeinsam suchen sie nach einem geeigneten Projekt und erarbeiten einen Plan, um das Vorhaben entsprechend umzusetzen. Dass es hier einen großen Bedarf gibt, hat Felicitas von Peter schon bei ihrer Arbeit für Active Philantropy gemerkt. Vor sechs Jahren entwickelte sie zusammen mit einem Partner diese Plattform, auf der sich Stifter und Spender über ihre Ideen und Erfahrungen austauschen können. Dafür stellt sie Informationsmaterialien zur Verfügung und organisiert Workshops. Die Idee dahinter ist einfach: Einen Ratschlag holt man sich am liebsten von jemandem, der im selben Bereich tätig ist und sich daher auskennt.

Solch einen Rat brauchten Barbara und Jürgen Schulz nicht mehr. Sie gründeten nach dem Tod ihres Jungen zusammen mit anderen Betroffenen und der Kinderhilfe die Björn-Schulz-Stiftung. Ihr Sohn Björn war im Alter von drei Jahren an Leukämie erkrankt und starb einige Jahre später nach einem Rückfall an der Krankheit. Die Stiftung hilft Familien, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, und betreibt unter anderem das Kinderhospiz Sonnenhof in Pankow. Dort können schwer kranke Kinder ihre letzten Tage verbringen. "Wenn ein Kind unheilbar krank ist, leidet darunter die ganze Familie", sagt Frauke Frodl. "Wir versuchen daher, für Eltern und Geschwister Möglichkeiten zu schaffen, dass sie gemeinsam mit dem kranken Kind noch eine so schöne Zeit wie möglich verbringen können." Bei dieser Arbeit sind sie auf Spenden angewiesen. Ein vier- oder gar fünfstelliger Geldbetrag sei dabei die Ausnahme, sagt Frodl. Die meisten spenden zwischen 20 und 100 Euro. Aber auch kleine Geldbeträge in Höhe von ein paar Euro gehen regelmäßig auf dem Konto der Björn-Schulz-Stiftung ein. "Diese Unterstützung durch kleine Spenden ist für uns wichtig", sagt Frauke Frodl. "Denn wenn das viele Menschen machen, wird daraus am Ende eine große Summe." Um Kontakt mit den Spendern zu halten, findet am Sonnenhof jedes Jahr ein Sommerfest statt.