Pro & Contra

Kein Boykott wäre peinlich

Henryk M. Broder

2008 fand die Olympiade in Peking statt, 19 Jahre nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Befürworter der Spiele argumentierten, man wolle und werde einen Beitrag dazu leisten, das Regime "von innen" aufzuweichen. Tatsächlich präsentierten sich sowohl das Dritte Reich wie China von ihrer schönsten Seite. Danach ging es mit business as usual weiter. Nun ist die Ukraine, gemessen am Dritten Reich und China, eher "eine kommode Diktatur". Aber immer noch schlimm genug. Wenn man schon nichts gegen autoritäre Regime vor der Haustür unternehmen kann, weil man sich nicht in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten einmischen darf, sollte man ihnen wenigstens nicht entgegenkommen. Die Sport-Funktionäre sehen das natürlich anders, sie wollen ihre Sache durchziehen. Sie sind es, die aus der Geschichte nichts gelernt haben. Natürlich wäre es peinlich, wenn die EM in der Ukraine abgesagt würde. Noch peinlicher wäre es, wenn sie stattfände.