Serious Games

Pädagogisch wertvoll

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Serious Games erklären spielend, wie Wirtschaft oder Politik funktionieren

- Videospiele sind stets ein wenig stigmatisiert. Besonders in Deutschland haftet ihnen der Ruf an, nur leichte Unterhaltung zu sein - mit einem Schwerpunkt auf Ballern und Gewaltdarstellung. Dem widerspricht - neben inzwischen vielen großen Spielen des Massenmarktes - ganz besonders die Szene der sogenannten Serious Games. Der Begriff, der 1970 in Harvard aufkam, bezeichnet Spiele, die ausdrücklich nicht zur Unterhaltung gemacht sind, sondern für einen ernsten Zweck - zum Beispiel zum Lernen.

So gesehen ist das Serious Game gar kein neuer Trend, denn auch die ersten spielerischen Anwendungen der Computertechnik waren "ernste Spiele" - Flugsimulatoren etwa. Mit diesem Zweig der Serious Games befassen sich heute längst Wissenschaftler und Konferenzen. Dabei werden verschiedenste Disziplinen berührt, von Medizin über Militärstrategie bis hin zur Erwachsenenbildung. Berühmte, beispielhafte Serious Games sind etwa "Re-Mission", bei dem man im Körper Krebszellen bekämpft. Damit sollen etwa betroffene Kinder ihre Krankheit besser begreifen. Oder diverse "Politiksimulatoren", in denen man etwa als Kanzler agiert und die komplexen Folgen seiner Entscheidungen erfahren soll.

Differenzierteres Bild von Afrika

Viele populäre Spiele sind zudem an der Grenze zum Serious Game konzipiert - so spielt man "Die Siedler" oder "Civilization" üblicherweise zum Spaß, kann dabei aber auch etwas über den Kreislauf der Warenwirtschaft, die Verknappung von Gütern oder die extremen Kosten der Kriegsführung lernen. Das US-Militär hat mit "America's Army" 2002 ein Spiel herausgebracht, das junge Soldaten erstens für die Armee begeistern und sie zweitens beim Einüben strategischer Formationen und Ähnlichem begleiten soll. Ob Letzteres wirklich funktioniert, ist in der Wissenschaft allerdings umstritten.

Dass Spiele pädagogisch, vor allem bei der Wissensvermittlung, nützlich sein können, gilt dagegen als erwiesen. Deswegen heißt eine der sieben Kategorien des Deutschen Computerspielpreises, der am Donnerstag zum vierten Mal vergeben wird, auch "Serious Games". Nominiert sind drei Spiele: Bei "Physius HD2" muss man einen fast zerstörten Planeten retten und dabei die Grundzüge ökologischer Zusammenhänge erlernen. Das Spiel "Kunsthalle Bremen" ist eine stimmungsvolle angewandte Kunstpädagogik über die großen Werke des Museums, die man teils virtuell betreten und genau ansehen kann. Und "Ajabu" aus der Schmiede der Berliner Firma Goodfable Storytelling Games will ein differenzierteres Bild von Afrika vermitteln. Es geht unter anderem um Ausbeutung durch Unternehmen - die Figur Tycoons Barran ist geleitet von Profitgier - und letztlich um moralisches Handeln im Dialog zwischen Industriestaaten und der Dritten Welt.

( lin )