Welttag des Buches

"Regale, in die mehrere E-Books passen"

Möbelhersteller und Schriftsteller Rafael Horzon über Regale der Zukunft

- Rafael Horzon (41) betreibt in der Torstraße in Mitte einen Regalladen, der auch ein einziges Buch verkauft, sein eigenes: "Das weiße Buch", erschienen 2010 bei Suhrkamp. Im Interview mit Sören Kittel erzählt er, warum sich das Geschäft mit Bücherregalen weiterhin lohnt.

Berliner Morgenpost:

Herr Horzon, welches Regal verkauft sich gerade am besten?

Rafael Horzon:

Wahrscheinlich das Universalregal "Modern", 2,40 Meter, für Bildbände, Aktenordner, Schallplatten, Pullover, Nahrungs- und Genussmittel, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Gibt es Trends, die sich seit dem Wachstum der E-Books bei Ihnen bemerkbar machen?

Die Kunden sind geradezu verrückt nach neuartigen Spezialregalen, in denen sie ihre E-Books nebeneinander aufstellen können! Nein, ganz im Ernst: Wie groß ist der Anteil der E-Books am Buchmarkt in Deutschland? 0,2 Promille?

In Deutschland in der Tat gerade einmal 0,4 Prozent, aber wachsend. Glauben Sie weiterhin an das Buch?

Vor Jahren sprach ja auch alles vom papierlosen Büro, und wenn irgendetwas daran gewesen wäre, dann würden wir nicht diese Unmengen von Aktenregalen verkaufen. Ich kann Menschen gut verstehen, die sich über ein Regal voller Bücher mehr freuen als über ein Gerät, auf dem all diese Bücher gespeichert sind, das in zwei oder drei Jahren nicht mehr funktioniert.

Haben Sie ein iPad oder ein Kindle?

Ich habe nur ein Rentnerhandy von doro, mit dem man nur telefonieren und zehn vorformulierte SMS verschicken kann: "Was gibt es heute zu Mittag?", "Habe meinen Spazierstock vergessen!", "Brauche einen Notarzt". Für mehr taugt es nicht. Wenn ich einen Film sehen möchte, gehe ich ins Kino, wenn ich ein Buch lesen möchte, dann nehme ich ein Buch.

Schon einmal überlegt, ein virtuelles Buchregal für digitale Bücher anzubieten?

Ein Bücherregal von Moebel Horzon für das iPad: Das finde ich eine sehr gute Idee, die ich sofort umsetzen werde!

Gibt es Bücher, die es immer geben wird und die man sich immer gern ins Regal stellen will, damit Gäste sie bewundern?

Ich finde, man sollte Bücher im Regal verbieten, die man nicht selbst gelesen hat. Ich selber habe im Rahmen meiner privaten Kulturrevolution in den 90er-Jahren alle Bücher in den Keller getan, der dann überschwemmt wurde. Seitdem habe ich überhaupt keine Bücher mehr, und ich kaufe auch keine. Ich genieße meine Regale ganz leer. Ein großer Luxus.

Was lesen Sie gerade?

Die Bedienungsanleitung meines iPads.