Anonyme Geburten

Gesundheitssenator fordert Erhalt der Babyklappen in Berlin

Die Babyklappe des Zehlendorfer Krankenhauses Waldfriede befindet sich an der rechten Seite des Gebäudes, etwa 40 Meter vom Haupteingang an der Argentinischen Allee entfernt.

- Pfeile markieren den Weg zu dem leuchtend grünen Kasten in der Häuserwand, in dem Decken und ein plüschiges Fell liegen.

Heute wird sich Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) diesen grünen Kasten genauer ansehen und mit Gabriele Stangl über dieses Angebot für Frauen in Not sprechen. Stangl ist Seelsorgerin des Krankenhauses und Initiatorin der Babyklappe, die als erste in Berlin im Jahr 2000 eröffnet wurde.

Senator Czaja will mit seinem Besuch ein Zeichen setzen. "Ich bin dafür, die in Berlin bestehenden Babyklappen zu erhalten", sagte der bekennende Katholik der Morgenpost. Das Angebot hätte sich in den vergangenen Jahren bewährt. Kinder seien gerettet worden. Im Gespräch mit Seelsorgerin Stangl und den Ärzten des Krankenhauses will Czaja sich außerdem darüber informieren, ob eine Entwicklung vom Angebot der anonymen Geburt hin zur vertraulichen Geburt (in diesem Fall müssen die Frauen ihre Daten preisgeben) möglich ist.

Frauen, die sich keinem anvertrauen

In Berlin haben sich auch die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Susanne Kahl-Passoth, und Bischof Markus Dröge für den Erhalt von Babyklappen und anonymer Geburt ausgesprochen. Krankenhaus-Seelsorgerin Stangl hält den Plan von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die anonyme Geburt künftig zu verbieten und keine weiteren Babyklappen mehr aufzumachen, für den falschen Weg. Die Klappen seien ein Angebot für Frauen, die sich niemandem anvertrauen könnten und deshalb zu Hause entbinden, so Stangl. Diese Frauen seien anders nicht zu erreichen. Etwa 20 Kinder hätten bisher in der Babyklappe gelegen, sagt Stangl. In jedem Fall würden sofort das Jugendamt und die Polizei benachrichtigt werden. Das Amt würde sich mit der Adoptionsstelle in Verbindung setzen, die Polizei sämtliche Daten aufnehmen, damit möglichst schnell eine Geburtsurkunde erstellt werden kann. Selbst wenn Eltern ihr Kind zurückholen würden, was schon passiert sei (wir berichteten), bleibe das Jugendamt involviert. "Das Kind wurde ja nicht ohne Not in die Babyklappe gelegt", sagt Stangl. "Hilfe ist deshalb dringend nötig."

Im Krankenhaus Waldfriede können Frauen auch anonym entbinden. In den vergangenen Jahren haben sich dazu etwa 150 Frauen gemeldet. Bei mindestens einem Drittel der Fälle habe akute Lebensgefahr für Mutter und Kind bestanden, weil die Frauen allein entbinden wollten, sagt Gabriele Stangl. "Wir sind mit allen ins Gespräch gekommen. 90 Prozent von ihnen konnten wir davon überzeugen, ihre Anonymität aufzugeben." Die Seelsorgerin fordert die verantwortlichen Politiker auf, endlich eine rechtliche Grundlage für Babyklappe und anonyme Geburt zu schaffen. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Angebote ausreichend kontrolliert und reglementiert werden können."