Rassismus

Anklage im Fall Trayvon Martin

Todesschütze ist aber untergetaucht. Seine Anwälte legen Mandat nieder

- Im Fall des getöteten afroamerikanischen Teenagers Trayvon Martin will die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Schützen erheben. Sonderstaatsanwältin Angela Corey werde die Anklage gegen George Zimmerman bald bekannt geben, hieß es aus US-Justizkreisen. Welche Straftat Zimmerman vorgeworfen werden soll, war zunächst unklar. Corey selbst kündigte eine Pressekonferenz für Mittwochabend (Ortszeit) an. Sie werde dabei über "neue Erkenntnisse" zu dem Fall sprechen. Martins Tod spielt auch im US-Präsidentschaftswahlkampf eine Rolle: Der Vorfall hat eine Debatte über Rassismus und lasche Waffengesetze ausgelöst.

Zimmerman hatte Ende Februar in Sanford (Florida) den 17-jährigen Martin erschossen. Das Mitglied einer Bürgerwehr gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben. Der Teenager, der sich nach einem Einkauf auf dem Weg nach Hause befand, war aber unbewaffnet. Die Polizei ließ Zimmerman laufen und berief sich dabei auf das "Stand Your Ground"-Gesetz (Weiche nicht zurück), das den Bürgern in Florida ein weitgehendes Recht auf Selbstverteidigung einräumt. Der Anwalt von Martins Familie warf Zimmerman "kaltblütigen" Mord vor. Martins Eltern beschuldigen die Behörden, nicht angemessen ermittelt zu haben, weil ihr Sohn schwarz und der Schütze weiß gewesen seien.

Zimmerman ist indes untergetaucht. "Wir haben den Kontakt zu ihm verloren", sagte sein bisheriger Verteidiger Craig Sonner. Zuvor hatten Sonner und sein Kollege Hal Uhrig ihr Mandat niedergelegt. Die Anwälte machten dafür eigenmächtiges Verhalten des 28-Jährigen verantwortlich. Der selbst ernannte Hilfssheriff habe ohne ihr Wissen die mit dem Fall betrauten Sonderstaatsanwälte kontaktiert und mit einem Moderator des Senders Fox News telefoniert. "Eine der Sachen, die jeder Anwalt seinem Mandanten sagt, ist: Sprich nicht mit den Staatsanwälten. Sprich nicht mit der Polizei. Sprich offen gesagt mit niemandem, bis wir die Lage unter Kontrolle haben", sagte Uhrig. Über Zimmermans Verhalten seien sie "ein bisschen verwundert" gewesen.

Polizei und Justizbehörden stehen wegen der zurückhaltenden Ermittlungen weiterhin in der Kritik. Auch US-Präsident Barack Obama schaltete sich ein und forderte Aufklärung. Angefacht wird die Rassismusdebatte durch eine Mordserie in Tulsa (Oklahoma). Zwei Weiße sollen in einem vorwiegend von Afroamerikanern bewohnten Viertel von Tulsa fünf Schwarze auf offener Straße beschossen haben, nur zwei Opfer überlebten schwer verletzt.