FDP

Wenn alle anderen schlafen, gewinnt Angela Merkel

Die Kanzlerin war nicht begeistert, als Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vor knapp zweieinhalb Monaten die Koalition mit FDP und Grünen brach. Das gab sie in der Euphorie des Wahlabends erstmals zu: "In der Analyse der Situation im Saarland waren wir nicht immer einer Meinung, aber die Bundespartei und insbesondere die Bundesvorsitzende haben sich dann voll hinter uns gestellt."

Tatsächlich hat die Ministerpräsidentin für Merkel die erste Landtagswahl dieses schwierigen Jahres gewonnen, aber die schwarz-gelbe Koalition in Berlin nicht stabiler gemacht.

Im Gegenteil: Der liberale Koalitionspartner verzieh nie, dass Kramp-Karrenbauer den Ausstieg aus Schwarz-Gelb-Grün am Dreikönigstreffen der Liberalen vollzog und so FDP-Parteichef Philipp Rösler die Chance auf einen Neustart nahm. Führende Liberale kreiden das sogar Merkel an. Die Begebenheit ist ein Teil der schwarz-gelben Dolchstoßlegende geworden: Der Theorie, die Merkel-CDU betreibe die Zerstörung der FDP absichtlich. Nun sind die Liberalen tatsächlich kaputt, zumindest an der Saar.

Die CDU hatte sich indes ein seltsames Rennen mit der SPD geliefert: Wer die Nase vorn haben würde, sollte den Ministerpräsidenten stellen, aber in jedem Fall würde man zusammen regieren. Da trat mit Kramp-Karrenbauer eine Ministerpräsidentin an, die sich in der Merkel-CDU als "links von der Mitte" einordnet. Eine Amtsinhaberin, die als Sozialdemokratin durchginge, konkurrierte gleich mit zwei sozialdemokratischen Herausforderern: mit dem langjährigen SPD-Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, der für die Linke antrat, und mit Heiko Maas, der seit Langem versucht, SPD-Ministerpräsident zu werden. Eine seltsame Auswahl, die der CDU gut in den Kram passte.

Einer aus dem Adenauer-Haus erinnerte an die Strategie des heutigen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla, mit der man schon die Bundestagswahl gewann: "Asymmetrische Demobilisierung". Sie basiert auf der statistischen Erhebung, dass die Kernwählerschaft der Union größer und treuer ist als die der SPD. CDU-Wähler suchen in jedem Fall das Wahlbüro auf, SPD-Wähler nur, wenn es ihnen sinnvoll erscheint. "Wenn alle schlafen, gewinnt Mutti", scherzte einer aus der erweiterten CDU-Führung. Durch den Saar-Sieg wächst auch die Hoffnung auf einen Erfolg bei der wichtigeren Wahl in Nordrhein-Westfalen im Mai. Merkel-Leute prophezeiten zudem eine neue Richtungsdebatte in der FDP. Zuletzt versuchten die Liberalen zu beweisen, dass sie noch leben, indem sie Streit suchten. Dieser Kurs sei mit der verlorenen Saar-Wahl gescheitert, hieß es bei der CDU. Doch in Wirklichkeit rechnet man in Merkels Umfeld damit, dass die FDP mindestens bis zur NRW-Wahl ein schwieriger Partner bleibt.

Intern gilt in der Union daher die Devise: Den von der FDP angebotenen Streit nicht annehmen. Das hat vor der Saarwahl gut geklappt. Rösler etwa hatte die CDU als "sozialdemokratische Partei" ohne jegliche "liberale Strömung" beschrieben. Die Union hatte auf solche Anwürfe kaum reagiert. Unionsfraktions-Geschäftsführer Peter Altmaier, der fünf Minuten nach Schließung der Wahllokale vor die Kameras trat, wich der Frage aus, ob nun bewiesen sei, dass die CDU mit einer Koalitionsaussage für die SPD erfolgreich sein könne.