Gedenken

Jerusalem weint um die Opfer

Tausende Trauergäste haben sich am Mittwochmorgen auf dem Friedhof im Jerusalemer Stadtteil Givat Shaul versammelt. Sie alle wollen den vier Opfern des Anschlags auf eine jüdische Religionsschule in Toulouse die letzte Ehre geben.

Eine Dreiviertelstunde lang schiebt sich der schier endlose Trauerzug vom Leichenschauhaus zu den vier ausgehobenen Gruben. Der französische Außenminister Alain Juppé ist ebenso mit dabei wie Knesset-Sprecher Ruwen Riwlin, Innenminister Eli Jischai und die beiden Oberrabbiner des Landes.

Nach den unter Tränen vorgelesenen Psalmen ergreift Juppé das Wort. Anschläge gegen Juden in Frankreich seien wie Anschläge gegen alle 65 Millionen Franzosen. Sein Land werde alles tun, um eine "solch unglaubliche Tragödie" in Zukunft zu verhindern. "Frankreich toleriert keinen Terror", versichert er. Parlamentssprecher Riwlin beschwört die Verpflichtung Israels, jüdisches Leben überall auf der Welt zu ermöglichen. Die Täter seien "wilde Tiere mit Hass in ihrem Herzen".

Immer wieder bricht Riwlins Stimme - selbst den routiniertesten Politikern fällt es beim Anblick der kleinen, nur von einem Gebetsschal bedeckten Kinderleichen schwer, die Fassung zu wahren. Nicht nur die Angehörigen, auch Totengräber, Ordner und Polizisten ringen mit den Tränen. Die Leichen von Rabbiner Jonathan Sandler (30), seinen beiden Söhnen Arieh (6) und Gavriel (3) sowie des ermordeten Mädchen Miriam Monsonego (8) waren zuvor nach Israel geflogen worden. Rabbiner Sandler, dessen Frau während der Zeremonie zusammengesunken in einem Rollstuhl sitzt, besaß zwar nicht die israelische Staatsangehörigkeit, seine beiden ermordeten Söhne sowie seine schwangere Witwe und eine weitere Tochter hingegen schon. Die ewige Ruhe haben sie nun in Jerusalem gefunden.