Bundesversammlung

Die Mehrheit liegt bei 621 Stimmen

Die 15. Bundesversammlung besteht aus 1240 Wahlleuten - 620 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Vertretern der Länder. Allerdings könnte es passieren, dass zwei Wahlleute ihre Krankheit nicht mehr rechtzeitig auskurieren können und fehlen - einer von der Union, einer von der Linken.

Die Delegierten treten am Sonntag um Punkt 12 Uhr zusammen, um den elften Bundespräsidenten zu wählen. Gewählt wird mit verdeckten Stimmzetteln, also geheim. Dazu werden die Mitglieder einzeln zu den Wahlkabinen gerufen, wo sie den Stimmzettel ausfüllen und in die Wahlurnen einwerfen. Joachim Gauck ist von einer in der Geschichte beispiellosen Fünf-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen nominiert worden. Gemeinsam verfügen sie über 1100 Mandate. Daneben haben auch die Freien Wähler aus Bayern angekündigt, mit ihren zehn Vertretern für Gauck zu stimmen. Die absolute Mehrheit liegt bei 621 Stimmen.

Zwei Delegierte erkrankt

Auf die Unionsparteien entfallen 486 Mandate. Die SPD entsendet nach Angaben des Bundestages 332 Delegierte, die Grünen 146. Eine Delegierte, die von SPD und Grünen in Sachsen gemeinsam aufgestellt worden ist, wird bei dieser Rechnung den Sozialdemokraten zugeschlagen. Die FDP schickt 136 Wahlleute nach Berlin.

Die Linke, die die frühere Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld ins Rennen schickt, stellt wegen der Erkrankung eines Delegierten nur 123 statt 124 Wahlleute. Von den 16 sonstigen Delegierten entfallen zehn auf die Freien Wähler, drei auf die rechtsextreme NPD, zwei auf die Piratenpartei in Berlin und einer auf den Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Die Wahlleute bei der Bundesversammlung dürfen während der Wahl nicht telefonieren.

Einer der 1240 Wahlleute hat allerdings bereits angekündigt, live aus dem Plenum Nachrichten ins Netz zu schicken: Martin Delius, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und einer von zwei Delegierten der Piratenpartei, sagte, er werde "persönliche Eindrücke" twittern.

2009 war es bei der Wahl von Horst Köhler zu einem kleinen Eklat gekommen. Damals hatte unter anderem die jetzige rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvorsitzende Julia Klöckner vorab die genauen Ergebnisse bei Twitter veröffentlicht, da sie zur Zählkommission gehörte und diese kannte.

Berlin schickt 25 Persönlichkeiten in die Bundesversammlung. Die größte Überraschung präsentierte CDU-Landeschef Frank Henkel: Der neue Hertha-Trainer Otto Rehhagel wird für die Berliner Union im Reichstag den neuen Bundespräsidenten wählen. Als bekannt wurde, dass Rehhagel als Trainer nach Berlin kommt, hatte der CDU-Chef die Idee, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Rehhagel ist kein Neuling in der Bundesversammlung. Schon 1999 hatte ihn Helmut Kohl nominiert. Am Telefon sagte der Fußballlehrer, dass er immer schon CDU-affin gewesen sei. Damals wurde Johannes Rau gewählt. Neben dem Hertha-Trainer und Parteichef Henkel nominierte die Berliner CDU-Fraktion Fraktionschef Florian Graf, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Cornelia Seibeld, das Mitglied des CDU-Bundesvorstands Emine Demirbüken-Wegner, Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski und Friede Springer.

Auch Wowereit wählt mit

Die SPD-Delegation für die Bundesversammlung wird vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, dem Parteivorsitzenden und Stadtentwicklungssenator Michael Müller und dem Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh angeführt. Außerdem konnte die Partei den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, gewinnen. Gemäß ihren Statuten bestimmten die Sozialdemokraten neben den vier Männern auch vier Frauen: die stellvertretende Landesvorsitzende Iris Spranger, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Kitschun, die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und die Vorsteherin der Bezirksverordneten-Versammlung Pankow, Sabine Röhrbein. Auch die Grünen setzen neben der Berliner Prominenz auf die des Bundes. Die Fraktionsvorsitzende Ramona Pop und die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, Anja Schillhaneck, nominierten den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir, der in Kreuzberg wohnt, und die ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Hinzu kommt noch Martin Zierold, Bezirksverordneter aus Mitte und Deutschlands erster und einziger gehörloser Abgeordneter. Für die Piraten werden der Parlamentarische Geschäftsführer Martin Delius und Landesschatzmeisterin Katja Dathe in die Bundesversammlung geschickt.