Afghanistan

Viele tote Zivilisten, Leichenschändung, Koranverbrennungen

Für den Einsatz der US-Streitkräfte und der Schutztruppe Isaf ist die Amoktat in der Provinz Kandahar ein schwerwiegender Rückschlag. Damit sinkt das Vertrauen der Afghanen in ausländische Truppen erneut. Denn schon vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten gab es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen.

Auch Aktionen wie Koranverbrennungen im Februar oder ein Video, das US-Soldaten zeigt, die auf afghanische Leichen urinieren, lösten gewalttätige Proteste aus. Ein Überblick über die Fälle, die weltweit für Aufsehen gesorgt haben:

4. Mai 2009: Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen zahlreiche afghanische Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung werden 140 Zivilisten getötet.

20. März 2011: In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Der Vorfall hat Folge: Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei weiteren Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

23. März 2011: Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem "Killkommando", das aus fünf Soldaten bestand, wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

11. Januar 2012: Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich mehrere US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch-afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

8. Februar 2012: Bei einem Nato-Luftangriff werden mehrere Zivilisten getötet, unter den Opfern sollen mindestens acht Kinder sein. Der Vorfall ereignet sich im Dorf Geyawa in der Provinz Kapisa nordöstlich der Hauptstadt Kabul, als ein Kampfhubschrauber Jagd auf Taliban-Kämpfer machte. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilt den Angriff heftig.

20. Februar 2012: Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage - versehentlich, wie es nach Bekanntwerden des Vorfalls heißt. Doch Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung deshalb zu schweren Ausschreitungen, bei denen zahlreiche Menschen sterben.

11. März 2012: Im Bezirk Pandschwaji richtet ein US-Soldat ein Massaker unter Dorfbewohnern an. Im Morgengrauen verlässt er seinen Stützpunkt, bricht in die Häuser der Menschen ein und tötet wahllos 16 Männer, Frauen und Kinder. Der Mann wird festgenommen.