Bildungswesen

Traditionelles Schlusslicht der Länder-Rankings

Bei dem Wort Bildungsstudie zuckt man in Berlin unwillkürlich zusammen. Landen die Berliner Schüler im Vergleich mit ihren Altersgenossen in anderen Bundesländer doch traditionell eher im unteren Drittel - wenn nicht ganz am Schluss.

Jüngstes Beispiel war der "Deutsche Lernatlas" der Bertelsmann-Stiftung, der vergangenen November auf den Markt kam. In der Kategorie "schulisches Lernen" landete Berlin nur auf dem elften Platz von 13 Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Einen umfassenden Beleg für Berlins Missstände im Bildungswesen gibt es spätestens seit den Pisa-Tests, die seit 2000 alle drei Jahre die Schulleistungen im internationalen Vergleich untersuchen. Berlin hat zum ersten Mal am zweiten Bundesländervergleich teilgenommen, der 2003 veröffentlicht wurde. Im Schwerpunktbereich Mathematik belegte die Hauptstadt Platz 13 und gehörte damit zu den Schlusslichtern. In Naturwissenschaften reichte es gerade einmal für den zehnten Platz ebenso wie beim Lesen. Allein im problemlösenden Denken konnten sich die Berliner Schüler Platz sieben erkämpfen.

Die Senatsschulverwaltung führte als Antwort auf das schlechte Abschneiden das Fach Naturwissenschaften ein, das Disziplinen wie Biologie, Chemie und Physik vereinen sollte. Viel hatte das allerdings nicht genützt: Bei der folgenden Pisa-Studie von 2006, bei der 3900 Schüler aus 108 Schulen mitgemacht hatten, verschlechterte sich Berlin im Bereich Naturwissenschaften um einen Rang auf den elften Platz. Besser sah es in den anderen zwei Bereichen aus: Im Lesen gab es Platz neun, in Mathematik Platz zwölf. "Ein ganz klein wenig schlauer" sind die Berliner Schüler geworden, hieß es damals.

Geringfügig optimistischer stimmte die internationale Untersuchung zur Leseleistung von Viertklässlern aus dem Jahr 2006, genannt Iglu. Im Bundesländervergleich wurde Berlin dem Mittelfeld zugeordnet - und das, wo doch fast jeder zweite getestete Schüler einen Migrationshintergrund hatte. Dennoch lagen die Berliner Schüler mit ihren Leistungen am unteren Ende der Skala, zusammen mit Hamburg und Bremen.

Eine weitere Studie, die in Deutschland stets Beachtung findet, ist der sogenannte Bildungsmonitor des Instituts der Wirtschaft (IW), bei dem die Bildungssysteme der Bundesländer verglichen werden. Berlin hält sich dort hartnäckig auf dem letzten Platz: In den vergangenen drei Jahren bildete die Hauptstadt stets das Schlusslicht. 2011 schnitt Berlin vor allem aufgrund von Problemen bei der Integration und der beruflichen Bildung sowie der Bildungsarmut so schlecht ab. Dabei sah es im Jahr 2005 noch so aus, als könnte Berlin zu den Aufsteigern in Sachen Bildung gehören: Im Vergleich zu den anderen Bundesländern hatten sich die Leistungen der Schüler am positivsten entwickelt. Berlin hatte sich auf Platz zehn vorgekämpft - vom vorletzten Platz im Jahr zuvor. Doch schon damals gab es gravierende Mängel, zum Beispiel beim Lesen. Zudem lag die Zahl der Schulabbrecher höher als in anderen Ländern.

Tendenziell besser steht Berlin allerdings bei Studien zur Bildung in Kitas und Vorschulen da. 2010 fand Bertelsmann beispielsweise heraus, dass Berlin am meisten in die frühkindliche Bildung investiert.