Euro-Krise

IT-Branche stützt Konjunktur

Die allgemeine Wirtschaftsflaute geht zwar auch an der IT-Industrie nicht spurlos vorbei. Der Branchenverband Bitkom musste seine Wachstumsprognose für dieses Jahr zurücknehmen. Jetzt wird nur noch ein Umsatzplus von 1,6 Prozent auf 151 Milliarden Euro erwartet - noch im Herbst hatte der Verband mit rund 153 Milliarden Euro gerechnet.

Einen Grund zur Sorge sieht der Verband jedoch nicht. Die Erlöse würden dennoch erstmals die Marke von 150 Milliarden Euro überschreiten, erklärte der Verband in Hannover. Trotz der reduzierten Prognose entwickle sich die IT-Branche nämlich immer noch besser als die Gesamtwirtschaft in Europa, so Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Die Auftragsbücher der Unternehmen sind gut gefüllt", sagte Kempf. Die "Innovationsdynamik" der Branche sei "ungebrochen hoch".

Aussichten, die auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) freuten, die die Messe am Montagabend eröffnete. Hochtechnologie biete große Chancen, sagte Merkel. Die Europäer müssten aber bei aller Konzentration auf die Schuldenkrise aufpassen, "dass wir genügend Zeit damit verbringen, über den eigenen Tellerrand zu blicken".

Der Umsatz mit IT-Hardware, Software und IT-Services wird 2012 laut Bitkom voraussichtlich um 3,1 Prozent wachsen. Der Umsatz mit klassischen Computern geht allerdings weiter zurück - um 4,4 Prozent. Auch das Geschäft mit den Netbook getauften Mini-Laptops, das in den vergangenen Jahren noch geboomt hatte, soll um 31 Prozent einbrechen. Dagegen werden die Deutschen dieses Jahr laut Prognose deutlich mehr Tabletcomputer kaufen. Der Umsatz mit den flachen Computerscheiben soll um 19 Prozent steigen.

30.500 Informatiker gesucht

Auch in der Telekommunikation werden die Umsätze 2012 laut Bitkom weiter steigen, getrieben durch mobile Internetverbindungen. Das Geschäft mit Sprachverbindungen im Festnetz und Handynetz hingegen schrumpft. Ebenfalls rückläufig seien die Umsätze mit Unterhaltungselektronik: Zwar kauften Verbraucher beispielsweise immer mehr Flachbild-Fernseher - doch die würden immer günstiger.

Als immer größeres Problem für die Branche entpuppt sich allerdings der dramatische Mangel an Fachkräften. Ein Drittel der Unternehmen klagt bereits über die schlechte Verfügbarkeit von Informatikern auf dem Arbeitsmarkt. Im Dezember 2011 habe es rund 30.500 offene Stellen gegeben - ein Anstieg um fast 50 Prozent innerhalb eines Jahres. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Hannover präsentierte. "IT-Spezialisten werden stark nachgefragt", sagte Dieter Westerkamp, stellvertretender Leiter Technik und Wissenschaft im VDI. Mit derzeit mehr als 191.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Informatikern sei ein Rekord erreicht. "Ein Ende dieses kontinuierlichen Anstiegs ist nicht in Sicht", sagte Westerkamp.

Der VDI sieht in dem Fachkräftemangel eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Rund jeder dritte Studienanfänger im Fach Informatik mache keinen Abschluss, sagte Westerkamp. Die Zahl der Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen sei nicht groß genug, um die Lücke zu schließen. Zwar sei die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik von 41.100 im Jahr 2010 auf mehr als 48.400 in 2011 gestiegen. "Trotzdem reicht dieser Zuwachs nicht aus, um den Bedarf der Wirtschaft an IT-Fachkräften zu decken", sagte Westerkamp. Außerdem sei es schwer, ausländische Fachkräfte nach dem Studium an einer deutschen Hochschule zu halten. Schulen und Hochschulen müssten mehr tun, um junge Menschen für Informatik zu begeistern.

Wer aber eine entsprechende Ausbildung aufweisen könne, habe beste Jobaussichten. Westerkamp räumte ein, dass Informatikstudenten auch ohne Abschluss erfolgreich sein könnten. "Es gibt diese Leute in der Wirtschaft, die mit einem abgebrochenen Informatikstudium sehr erfolgreich sind."

Laut VDI-Umfrage geben 43,4 Prozent der befragten Großunternehmen an, Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern, falls es nicht genug Fachkräfte gibt. Dennoch gehen die Firmen demnach mehrheitlich davon aus, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit halten kann - zumindest bis 2015.