Geschichte

Wie Helgoland schon einmal deutsch wurde

Seit Jahrhunderten ist Helgoland so etwas wie ein deutsches Sehnsuchtsland. Hier dichtete Hoffmann von Fallersleben 1841 das "Lied der Deutschen" mit der dritten Strophe "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Heinrich Heine lobte die Insel und ihr damals berühmtes Seebad; wohlhabende Norddeutsche verbrachten ihren Urlaub im Nordseeklima hier.

Dabei ist Helgoland überhaupt erst seit 1890 eine "deutsche" Insel. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts gehörte das Eiland zum Herzogtum Schleswig-Gottorf, ab 1721 dann zur dänischen Krone. 1807, während der napoleonischen Kriege, besetzte Großbritannien die strategisch günstig vor den Mündungen von Weser und Elbe gelegene Insel. Die wenigen Hundert ständigen Bewohner profitierten von der relativen Liberalität der britischen Verwaltung: Hierher flüchteten sich auch Kritiker der reaktionären Fürstenherrschaft im Deutschen Bund.

Weniger deshalb und mehr wegen der strategischen Bedeutung der Insel drängte das preußisch-deutsche Herrscherhaus, die britische Hoheit über Helgoland einvernehmlich zu beenden. Vor allem der junge Kaiser Wilhelm II. befürchtete, Großbritannien könnte hier eine Festung errichten, die Deutschlands Flottenbau konterkarieren würde. Allerdings hatte die Regierung in London derlei nie ernsthaft erwogen.

Angesichts dessen hatte Reichskanzler Leo von Caprivi wenig Schwierigkeiten, im ersten Halbjahr 1890 einen Tausch von Helgoland gegen deutsche Kolonien zu verhandeln. Allerdings ging es dabei nicht, wie oft zu lesen ist, um die Inselgruppe Sansibar. Denn dieses Sultanat war keine deutsche Kolonie und konnte daher nicht getauscht werden. In Wirklichkeit gab das Kaiserreich seine erst kurz zuvor gegründete Kolonie Witu im heutigen Kenia und einige weitere Besitzungen in Afrika ab - sie waren ohnehin zu klein gewesen. Dafür bekam das Reich Helgoland. Das Missverständnis über Sansibar kam durch eine Bemerkung des kurz zuvor entlassenen Reichskanzlers Otto von Bismarck gegenüber Journalisten zustande.

Über diesen am 10. August 1890 vollzogenen Tausch sagte der britische Premierminister Robert Cecil Lord Salisbury im Londoner Oberhaus: "Wir behaupten nicht, dass wir oder Deutschland große Vorteile durch das Abkommen gewonnen haben. Beide Seiten haben Vorteile gewonnen, da jeder dasjenige erhielt, was seinen Zwecken entspricht. Ich glaube nicht, dass ein Land einen Vorteil über das andere erhalten hat."