Militär

Auf Befehl: Der richtige Umgang mit dem Koran

Nach Protesten wegen der Verbrennung von Exemplaren des Korans durch US-Truppen in Afghanistan zieht die Internationale Schutztruppe (Isaf) Konsequenzen: In einer Direktive verpflichtete Isaf-Kommandeur John Allen alle Soldaten dazu, bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösem Material wie dem Koran teilzunehmen.

Die Schutztruppe bestätigte, dass Soldaten in der US-Basis Bagram Ausgaben des Korans, die entsorgt werden sollten, versehentlich zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten.

Die Isaf meldete, die Soldaten sollen lernen, religiöses Material zu erkennen und seine Bedeutung einzuschätzen. Auch der korrekte Umgang mit dem Material wird gelehrt. General Allen entschuldigte sich erneut für den Vorfall, der gemeinsam mit dem afghanischen Innenministerium untersucht werde. Er hatte zuvor betont, die Soldaten hätten nicht vorsätzlich gehandelt. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich für den "höchst bedauerlichen Zwischenfall".

Der Vorfall hatte am Dienstag wütende Proteste ausgelöst. Vor dem Stützpunkt in Bagram versammelten sich nach Behördenangaben knapp 3000 Demonstranten, die "Tod den Amerikanern" skandierten.

Ein Teilnehmer an den Protesten namens Sami Ullah sagte, ein Demonstrant sei von Soldaten angeschossen worden. Nach Isaf-Angaben wurde "nicht tödliche Munition" zur Auflösung der Menge eingesetzt. Parwans Vizepolizeichef Sia ul Rahman sagte, US-Soldaten hätten 13 Menschen mit Gummigeschossen leicht verletzt. Niemand sei getötet worden. Die Polizei habe die Lage unter Kontrolle. Die US-Botschaft in Kabul warnte vor Demonstrationen in den kommenden Tagen.

Umstrittenes Gefängnis

Isaf-Kommandeur Allen sagte, die Schutztruppe werde dafür sorgen, dass ein solcher Fall nicht erneut vorkomme. "Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden." Die Isaf machte keine Angaben, warum religiöse Schriften wie der Koran auf der Basis lagerten. Allerdings unterhalten die US-Truppen in Bagram ein umstrittenes Gefängnis. Häftlingen wird dort der Koran zur Verfügung gestellt.

Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koranverbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN-Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantánamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals insgesamt 17 Menschen gestorben.

Bei einem Zusammenstoß zwischen Isaf-Soldaten und afghanischen Polizisten in der südafghanischen Provinz Kandahar wurde unterdessen ein Albaner getötet. Das Büro des Provinzgouverneurs teilte am Dienstag mit, beim Verteilen von Schreibmaterial an einer Schule sei es am Vorabend zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung und dann zu Schüssen gekommen. Ein albanischer Soldat sei getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Auch ein US-Soldat sei verwundet worden. Die beteiligten Polizisten seien festgenommen worden.

Enthauptete Zivilisten

Die Isaf meldete nur, ein Angreifer in Polizeiuniform habe einen Isaf-Soldaten erschossen. In den vergangenen Monaten häuften sich Angriffe afghanischer Sicherheitskräfte auf Isaf-Angehörige. Oft bleibt unklar, ob es sich bei den Attentätern um sogenannte Schläfer von Aufständischen-Gruppen wie den Taliban handelt oder ob andere Motive hinter den Angriffen stehen. Vor einem Monat hatte ein afghanischer Soldat vier französische Kameraden erschossen. Präsident Nicolas Sarkozy drohte daraufhin mit einem vorzeitigen Truppenabzug vom Hindukusch.

Taliban-Kämpfer enthaupteten unterdessen nach Angaben der Behörden in der südafghanischen Provinz Helmand vier Zivilisten. Die Aufständischen hätten den Opfern fälschlicherweise vorgeworfen, für die Regierung und die internationalen Truppen zu spionieren.