Daniela Schadt

"Herz und Verstand in Balance"

Vor eineinhalb Jahren, am 30. Juni 2010, nahm Daniela Schadt (52) auf der Besuchertribüne des Bundestags Bettina Wulff in den Arm - und wünschte ihr als neuer First Lady alles Gute und "viel, viel Kraft". Gerade war Christian Wulff da zum Bundespräsidenten gewählt worden - während Joachim Gauck unterlegen war.

Seine Lebensgefährtin hatte den Krimi von drei Wahlgängen und unerwartet guten Ergebnissen für Gauck über Stunden hinweg verfolgt. "Mit so vielen zusätzlichen Stimmen für Jochen hätte ich nicht gerechnet", sagte Daniela Schadt später. Und: "Als Privatmensch bin ich mehr erleichtert als traurig."

Ihr Privatleben wird Daniela Schadt künftig erheblich einschränken müssen. Als Lebensgefährtin des Bundespräsidenten hat sie einen Fulltime-Job vor sich. Joachim Gauck (72) und Daniela Schadt sind nicht verheiratet. Hochzeitspläne aber hegen sie schon lange. "Nun sind diese Pläne wieder privat", sagte Daniela Schadt, als Wulff zum Präsidenten gewählt wurde. Jetzt sind sie wieder Gegenstand des öffentlichen Interesses. Die Ehefrauen der Bundespräsidenten, von Elly Heuss-Knapp bis Bettina Wulff, übernahmen stets viele ehrenamtliche Aufgaben, darunter die Schirmherrschaft des Müttergenesungswerks.

Ein politischer Kopf

Daniela Schadt ist eine fröhliche Frau, sie kann herzlich lachen, versprüht Charme und besitzt Witz. Sie gilt als sehr politisch und berät ihren Partner, dürfte also weit mehr sein als die "Frau an seiner Seite". Aus Hessen stammend, ging sie zum Volontariat nach Franken. Seit über 20 Jahren arbeitet sie bei der "Nürnberger Zeitung", dem eher konservativen Schwesterblatt der sozialdemokratischen "Nürnberger Nachrichten". Hier leitet sie das Ressort Innenpolitik, schreibt über Parteien, Koalitionen, den Mindestlohn, die Patientenverfügung und, und, und.

Schadt vermied es dabei, über die Skandalserie Christian Wulffs Kommentare zu schreiben. Niemand kann ihr daher nachsagen, die Schwächen Wulffs letztlich zum eigenen Vorteil thematisiert zu haben. Auch über das Kandidaten-Poker, das am vorigen Freitag begonnen hatte, schrieb Schadt nicht. Noch am Sonntag hatten Joachim Gauck und Daniela Schadt sich in Wien aufgehalten. Während er von dort nach Berlin flog, setzte sie sich in den Zug in Richtung Nürnberg.

Vor über einem Jahrzehnt lernten sich Gauck und Schadt kennen, bei einem seiner Vorträge, den er in Nürnberg hielt. Seit dem Jahr 2000 führen sie eine Fernbeziehung. Mal reist er nach Nürnberg, mal ist sie in Berlin. Daniela Schadt fährt gern Bahn - und, auch bei Wind und Wetter, Fahrrad. Sie liest viel und hört klassische Musik. An ihrem Partner schätzt Schadt vor allem seinen Mut und seine Begeisterungsfähigkeit. "Herz und Verstand sind in einer Balance, ohne dass der Verstand zu kurz kommt", sagt sie.

Die Ehe Gaucks ging Anfang der 1990er-Jahre in die Brüche. Er ist nicht geschieden, lebt aber dauerhaft getrennt. Gauck ist Vater von vier Kindern und mehrfacher Großvater. "Schnelle Heirat ist ausgeschlossen, spätere nicht unbedingt", sagte Joachim Gauck vor zwei Jahren. In den nächsten Wochen und Monaten werden Joachim Gauck und Daniela Schadt manches Mal zu Heiratsplänen gefragt werden. Die Dienstvilla des Bundespräsidenten in Berlin-Dahlem werden sie wohl gemeinsam beziehen. "Aus der Fernbeziehung würde dann eine Nahbeziehung werden", sagte Joachim Gauck vor zwei Jahren. Bleibt die Frage: Ist die schnelle Heirat immer noch ausgeschlossen?