Zitate

Gauck über Gauck

In seiner Biografie "Winter im Sommer - Frühling im Herbst. Erinnerungen" (Siedler Verlag, 2009) und seiner Gedankensammlung "Freiheit" (Kösel, 2012) bietet Joachim Gauck Einblicke in sein Leben als Prediger, Bürgerrechtler und Stasi-Unterlagen-Beauftragter - und seine Gedankenwelt, in der die Freiheit die zentrale Rolle spielt. Die Berliner Morgenpost dokumentiert Auszüge.

Freiheit: Es ist meine tiefe Überzeugung, dass die Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben ist und erst Freiheit unserer Gesellschaft Kultur, Substanz und Inhalt verleiht.

Verantwortung: Ich nenne die Freiheit der Erwachsenen "Verantwortung". Wenn ich für Freiheit als Verantwortung werbe, gerade bei Menschen, die nicht in politischen Ämtern stehen, mache ich das so: Wir können das eigentlich alle.

Wir alle haben dies erlebt, wenn wir einen anderen Menschen lieben. Mit einem Mal bin ich mir selbst nicht mehr der Wichtigste, sondern will alles tun für den geliebten Menschen. ... Am deutlichsten erleben wir das wohl, wenn wir ein eigenes kleines Kind haben.

Toleranz: Es ist wichtig, zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt unserer eigenen Werte wieder vergewissern.

Demokratie und Kapitalismus: Ja, es gibt auch Mängel in unserer Demokratie und Marktwirtschaft. ... Aber es ist ein lernfähiges System, das Vorbildcharakter hat.

DDR-Diktatur:

Wir, die wir diese Bürgerrechte nicht hatten, waren zwar auch wertvoll und hatten auch unsere Würde - aber Bürger waren wir nicht.

Wir haben uns über jeden Besuch, jeden Brief und jedes Geschenk aus dem Westen in einer Weise gefreut, die der gesättigten Gesellschaft unserer Brüder und Schwestern unbegreiflich war. Abgeschottet, hinter der Mauer lebend, brauchten wir diese Zuwendung als Zeichen, dass wir nicht vergessen waren.

1989: Im Herbst 1989 wuchs ich Schritt für Schritt in eine politische Rolle hinein. ... Binnen Kurzem nannte mich eine Rostocker Zeitung "Revolutionspastor".

Stasi-Unterlagen-Behörde: Wir waren stolz und froh, dass wir das Bedürfnis nach Aufklärung befriedigen konnten.

Glaube: Ich lernte, dass das kritische Denken nicht das Wichtigste, nicht die letzte Wahrheit ist in meinem Leben. Das kritische Denken mag damit nicht zufrieden sein, aber es zieht oft gegenüber der Kraft, die aus Glaube und Liebe erwächst, den Kürzeren.

Frieden: ... ist zweifellos eines der ganz großen politischen Ziele und eine große theologische Vision. In konkreten Situationen aber kann Verzicht auf Gewalt auch bedeuten, der Gewalt von Unterdrückern und Aggressoren den Weg zu ebnen oder ihren Terror zu dulden.